2000

Alles in Neo - oder naß?

ein Bericht von Joachim Kaiser

Ein Zehnt der KSC'ler delektiert sich auf der Rintelner (Schw)eisfahrt

Seit einer knappen halben Stunde schob sich der unerbittliche Sonnenball übers Firmament, das Thermometer zeigte schon um 8 Uhr schweißtreibende 11°C, leider war ich schon seit dieser halben Stunde im Vereinshaus, sonst hätte ich sicher noch Sonnenmilch und -brille eingepackt. Es war also mal wieder ein typischer Dezember-2000-Tag, welch glorioser Auftakt zur diesjährigen Rintelner Eisfahrt.

So verwunderte es mich auch nicht im Geringsten, als sich dann zeitgleich zu den schon fest angemeldeten 6 Herrenhäuser Eisbuben/mädels noch 4 weitere Frühaufsteher gesellten, mit dem altbekannten 'Heute will ich es wissen'-Blick in den Augen. So beluden wir mit vereinten Kräften unseren Anhänger mit unseren hydrodynamischen Wasserverdrängungs-Hohlkörpern mit pseudoergonomischer Sitzgelegenheit und machten uns auf gen Hameln, dem Startpunkt unserer Mission.

Die Bemerkung von Uwe:' Da hinten isses!' war im höchsten Maße überflüssig, dichte Trauben von Kanus, Kanuten und Kanutenbeförderungsfahrzeugen ließen keinen Zweifel aufkommen, wo denn jetzt in etwa die Einsetzstelle wäre. Im Einladungsschreiben war irgendwas von 'Sammelpunkt bitte nur auf dem hinteren Teil des Parkplatzes' die Rede, aber dieses Hinter-Teil bedeckte in diesem Fall den ganzen Parkplatz und alles, was sich in Rufweite aufhielt.

Flugs waren die Boote abgeladen und die Formalien erledigt, im gleißenden Sonnenschein hatte auch der pedantischste Verstauungsfetischist seine Siebensachen innerhalb einer halben Stunde verstaut. In dieser Zeit machte ich einen kleinen Rundgang und fand auch so ziemlich alles, was es an Kanu-Bauformen gibt, über die Wiese verstreut, vom 2er-Topolino, Wildwasser-Eiern, der Kevlar-Slalom-Katzenzunge über die Heerscharen von StiNo43WaBo's (Stinknormale 4,30m Wanderboote) bis hin zu reinrassigen 6-Meter Seegurken war alles vertreten, was irgendwie schwimmt. Dazu natürlich noch die (Fußball)Mannschaftscanadier, zum Teil bis zur Oberkante Wasserlinie mit Gerstenkaltschale beladen :*)

Knapp die Hälfte der Fahrer/innen hatte sich mit einem Neo bekleidet, schon bei dem Gedanken daran brach mir der Schweiß aus, doch im Falle einer Kenterung hätte ich wahrscheinlich gerne getauscht, aber das hatte ich ja nicht vor (jaja, im Nachhinein hat man immer gut reden ;-).

Irgendwann gelang es uns dann sogar, alle unsere Schäflein im allgemeinen Aufbruchs- und Einsetzchaos zu Wasser zu bringen. Glücklicherweise hatten wir die Sonne im Rücken, sonst hätte es sicher das eine oder andere 'Gerade eben war hier aber noch keine Kurve'-Syndrom gegeben. Die erste Hälfte war geprägt von der typischen Weserlandschaft, Wiesen, im Hintergrund das Bergland, am Ufer die typischen Ausbuchtungen, die Strömung war mittelstark, ich habe die Gelegenheit genutzt, meine und Dionysos' Kurventechnik auch ohne Steueranlage zu optimieren und bin meine Schlangenlinien von Ufer zu Ufer gefahren, jeder halbblinde Polizist hätte mich sofort 'rausgewunken, wenn auch ohne ethanoltechnische Folgen.

Nundenn, ich sprach ja von der Vor-Glühweinstand-Strecke ;*) Diese war ja auf der Hälfte der Strecke plaziert, an einer Fähre, die später einigen zum Verhängnis werden sollte. Als nach einer halben Stunde auch die 'Jeden_Kilometer_eine_ Kippe'-Paddler angelandet waren, machten wir uns über den Kombi-Bratwurst-Glühweinstand her. An die labberigen und laschen Glühweine hier in Hannover auf dem Weihnachtsmarkt gewöhnt, mußte ich die Erfahrung machen, daß dieser edle Heißtropfen in seiner vollen Potenz daherkam, vor allem in der 'Extended-Version'. - Da sah man auch schon den ersten Kenterkönig in den kalten Weserfluten schwimmen, irgendwie hatte der die Strömung in der Kurve nach der Einsetzstelle und der Fähre falsch kalkuliert und dann eine halbe Kenterrolle hingelegt. Als der DLRG den Ernst der Lage erkannte und sein Boot gen Schwimmer bewegte, hatten diverse Paddlerkollegen schon längst alles ins Trockene gebracht. In Folge wurden etliche Paddler im Schutze der DLRG Bordwand um diese tückische Verblockung geleitet.

Auch während der weiteren Fahrt zeigten die DRLGler ausgeprägte Entertainer-Eigenschaften, so konnte ich in der ausgeprägten Kiel- und Bugwelle, bedingt durch Vollgasfahrt zurück gen Hameln (Feierabend?! ;-) auch die Wellentauglichkeit meines Seekajaks ausgiebig testen, auf jeden Fall ging es beschwingt Richtung Rinteln. Dunkle Wolken deuteten aber dann schon an, was uns dann wenig später kurz vorm Ziel noch den Abgang versüßen sollte, so sah man dann beim folgenden Regenschauer eindrucksvolle Beispiele im Regenjacken-Überzieh-Reaktionstest. Im strömenden Regen legten wir dann auch in Rinteln an, nur mit Mühe fanden wir dann noch einen Liegeplatz auf der Bootshauswiese, von den Kollegen, die sich schon unter dem schützenden Dach des Bootshauses befanden, fachkundig belächelt.

Eine kleine Fraktion kümmerte sich dann um die Herbeischaffung der Transportmedien, eine weitere Abordnung stürmte das Bootshaus und ver-eintopfte die Gutscheine, der Großteil ließ sich am Fuß der Treppe hinauf zur Materialausgabe die Fahrt noch einmal durch den Kopf gehen. Irgendwann war es dann soweit, der Bootsanhänger war bereit zum beladen, was dann auch konsequent durchgezogen wurde und so ging es dann nach einer erlebnisreichen Fahrt wieder gen Han(g)over.

Nach den üblichen Umpack- und Rechenaktionen klang der Abend dann im allgemeinen Aufbruchschaos aus.

Alles in Allen eine interessante Fahrt, auch wenn solche Massenfahrten nicht unbedingt mein Ding sind, aber ein bis zweimal im Jahr kann es sich ja einmal richtig geben <hicks>.........
 

JOachim