Januar 2000

Regen macht schön

ein Bericht von Joachim Kaiser

Ein Quintett tapferer KSC'ler wagt die Dreifluß-Passage von Sarstedt zum KSC

Ich weiss nicht mehr genau, wie alles begann, aber irgendwann gegen Ende der Saison 2000 machte ich meine erste Sarstedt-Tour.

Der dauernden KSC-Landtag-KSC- oder KSC-Schneller Graben-KSC-Fahrerei allmählich überdrüssig, schnappte ich mir eine Landkarte und den DKV-Flußführer, eine Flasche Wein war (wie immer) schnell zur Hand und so stand der virtuellen Tour nichts mehr im Wege. Schnell fiel meine Wahl auf Sarstedt, da dies gerade noch mit der Üstra zu erreichen ist und somit der Rücktransport ohne größere Verrenkungen möglich ist, die Strecke von 27 km schien mir damals gerade noch so machbar in einem Rutsch, und die ersten paar Fahrten war ich auch ganz schön 'geplättet', wobei ich diese damals noch mit dem Wildwasserboot 'Obelix' fuhr. (Jetzt mit Dionysos gibt man einmal Gas und bremst den Rest der Strecke ;-)

Die Einsatzstelle liegt perfekt im Kehrwasser hinter einem kleinen Schwall unter einer Straßenbrücke, die Strecke ist landschaftlich sehr schön, man arbeitet sich langsam von Süden nach/durch Hannover vor, größere Schwierigkeiten gibt es bis auf eine kleine Stufe in Sarstedt (wer hier tatsächlich baden möchte, kann problemlos zurücklaufen) keine, wer nicht gerade einschläft und 5 Meter oberhalb des Wehrs an der Döhrener Wolle aufwacht, sieht das Vereinshaus auf jeden Fall mit allen Knochen im Leib wieder.

Bis auf eine kleine Weihnachtspause von 3 Wochen bin ich die Strecke (Innerste/Leine/Ihme) seitdem jede Woche einmal gefahren, vorher schon zweimal begleitet von Inge (beidesmal hat es geregnet, doch dazu später) und werde die Strecke auf jeden Fall das ganze Jahr hindurch immer Donnerstags vor dem offiziellen (Probe)Paddeln fahren, erst die Pflicht, dann die Kür sozusagen.
Und ich hoffe auch, daß mich dann im Frühling oder Sommer auch mehr die Vertreter der Schönwetterpaddler begleiten ;-)

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Doch nun zum letzten Samstag, den 27.1.2001. Am Donnerstag vorher ließ ich beiläufig die Bemerkung fallen, daß ich am Samstag gedenke, die Sarstedt-Tour zu machen. Spontan kam von Michael zu meiner Rechten der Kommentar: 'Au ja!', welcher kurz darauf in einem zweifachen Echo von Manfred und Gabi mir gegenüber widerhallte.

Und so versammelten wir uns dann auch gegen 10 Uhr am Verein, keine 10 Minuten später stieß auch noch Helge zu uns, was konnte da noch schiefgehen. Unser Boots-Pfauenrad ( Rodeoboot, Wildwasserboot, kurzes und langes Tourenboot sowie Dio, mein Seekajak-Verschnitt) war schnell aufgeladen, und eine halbe Stunde später waren wir schon vor Ort neben dem Hallenbad in Sarstedt.

Manfred wählte den direkten Weg über die Böschungsrutsche in die Innerste, der Rest entschied sich dann doch für den konventionellen Einstieg unter der Brücke, wenig später waren wir alle schon auf dem Weg flußabwärts. Die Spritzdecken-Dichtigkeitsüberprüfung 500 Meter später in Form der Stufe wurde von allen mit Bravour absolviert, Manfred meinte nur, daß es von ihm aus die ganze Strecke so gehen könne, der hatte gut reden in seiner Wildwasserwanne.

Manfred und Gabi hatten dann auch ganz schön zu ackern in ihren Wildwasserbooten und so verlief die Fahrt für den Rest von uns in den 'langen Kerls' eher in gemächlichen Bahnen. Wobei ich ja auch anfangs mit dem Wildwasserboot gefahren bin, was für das Training sicher besser ist, aber man verweichlicht doch irgendwie zum 'KlapptischundStuhlmitnehmer' ;-)

So hangelten wir uns von Kurve zu Kurve, plötzlich setzte kurz vor Laatzen ein stetiger, penetranter Regen ein, alles schwang sich endgültig in seine Regenklamotten, insgesamt 5 Einheits-Helmi-Jacken dümpelten fortan weiter flußabwärts. Beim 'Wolle-Wehr' (fast schon hatten wir Manfred überedet, doch das Wehr zu fahren ;-) setzten wir dann um, Michaels Paddel entschloß sich plötzlich doch, das Wehr in der Schußfahrt zu bezwingen, was jedoch durch ein waghalsiges aber gutplaziertes Stochermanöver mit meinem Paddel verhindert wurde.

Gnädigerweise hatte es kurz aufgehört, zu regnen, so daß wir trockener Dinge zur Nahrungsaufnahme schreiten konnten. Hel'dekadent'ge nahm auf einem Klappstuhl Platz, wir bevorzugten die Haltung, die uns evolutionär von unseren Vorfahren unterscheidet. Graue Wolken, gepaart mit einem kräftigen Guß, ließen keinen Zweifel daran aufkommen, daß es Zeit war, doch wieder in die Boote zu steigen und die restlichen 8 km anzugehen.

Der Rest unserer Hausstrecke wurde dann auch recht schweigsam absolviert, der beste Schalldämpfer ist doch ein kräftiger Regenguß. Und so kamen wir denn auch wenig später beim Vereinshaus an, dank Michaels' genialem Behelfssteg (war vorher immer die gefährlichste/kritischte Stelle der ganzen Tour, vor Allem im Dunkeln) kamen wir auch alle trockenen Fußes an Land und pellten uns in der vorgeglühten Vereinshöhle aus den Klamotten, gefolgt von der Umzieh- und Auto-hol-Routine.

Es war aber doch wieder eine schöne Fahrt, trotz des Regens, wobei ich die Strecke jetzt schon ca. 15 Mal alleine gefahren bin, ohne jemals Regen zu sehen. Nur die zwei Mal, wo mich Inge begleitete und jetzt auf dieser Fahrt regnete es mehr oder weniger stark. Vielleicht sollte ich doch lieber alleine fahren? Nein, mit mehreren macht es doch mehr Spaß und so hoffe ich, daß mich mit steigenden Temperaturen auch statistisch signifikant eine steigende Anzahl von Mitpaddlern begleitet.

Euer JOachim