Pfingsttour an der Diemel

Die Sonne schien in Strömen

Eine feuchtfröhliche Pfingsttour an der Diemel

Den Freitag verbrachte ich ja noch in der heimeligen Stube, und als ich am Samstag um 9.30 Uhr den Weinladen aufschloß, war ich froh, diesen erreicht zu haben, denn hier konnte ich meine Klamotten erstmal trocknen und mir eine warmen Tee machen, den es goß wie aus Kübeln. Gegen 14 Uhr, als ich die heiligen Hallen verließ, war es immerhin nur noch grau und so konnte ich trockenen Fußes mein Auto und somit auch den Verein erreichen, wo ich mich schnell dazu entschloß, nur 'meinen' Wildwasser-Obelix zu laden, eigentlich wollte ich ja noch meinen schnellen Kreuzer 'Pinot Noir' mitnehmen, aber ein neuerlicher Schauer ließ mich zu dem weisen Entschluß kommen, dies zu unterlassen.

Mit einer gehörigen Portion Masochismus ging es dann durch das Weserbergland Richtung Holzminden, der eine oder andere Wasservorhang zwang mich bis auf Schrittgeschwindigkeit herunter, aber wat mutt, dat mutt ja bekanntlich. Die Weser zeigte sich weniger launisch und so erreichte ich gegen 17 Uhr nach einer kleinen Irrfahrt in Warburg den Campingplatz beim Kanu Club Warburg. Es sah schon verdächtig durchnäßt aus, kein Wunder ob der Sintfluten, die hier niedergegangen waren.

Ganz hinten in der linken Ecke machte ich den üblichen KSC-Caravan Haufen aus und kaum dort eingetroffen kamen auch schon die erste Begrüßungsabordnung entgegen, wer genau das war ist mir leider entfallen ist ja auch nicht so existentiell wichtig, dann mal lieber den Blick gen Himmel gerichtet, wo der Wind die grauen Wolken im Minutentakt über unsere

Häupter hinweg blies, glücklicherweise beschlossen diese im Augenblick, ihre feuchte Last weiterzutragen. Schnell die Dackelgarage aufgebaut, den ersten Dichtigkeitstest musste sie schon nach wenigen Minuten absolvieren, noch erfolgreich, doch beschloß ich, für die Nacht wenigstens den Eingang des Zeltes unter Uwes und Karins Vorzelt zu plazieren, den Titel 'Unterm_Vorzelt_Camper' dabei gerne in Kauf nehmend.

Die anderen waren gerade von ihrer Tagestour vom Zeltplatz, der praktischerweise direkt an der Diemel lag (Daran war sicher der KC Warburg nicht unschuldig:-) nach Liebenau, also ca. 16 km entfernt, zurückgekehrt. Sie hatten wohl einigermaßen Glück mit dem Wetter, 15 Minuten ohne Schauer waren ja zu diesem Zeitpunkt fast schon ein ein Grund zum Frohlocken. Ali stellte fest, daß er sowohl die Zeltstangen als auch die Häringe zuhause vergessen hatte, zum Glück für ihn hatte Peter Kreipe zufällig ein Zweitzelt dabei, so blieb Ali eine Nacht im Auto oder im Zeltschlafsack erspart.

Der Wind frischte deutlich auf, wir hatten trotzdem beschlossen zu grillen, denn wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Gabi und Manfred hatten ein großes Tarp dabei und so verlängerten wir das Vorzelt von Karin und Uwe um entscheidende 4 Meter, so daß wir unser frugales Mahl einnehmen konnten. Kaum über die Tarpkonstruktion der Nachbarn (halb Mainz war an diesem Wochenende auf dem Gelände versammelt) gelästert, da flog uns unser eigenes Machwerk um die Ohren, kleine Sünden bestraft der liebe Gott eben sofort. Es bedurfte einiger Anläufe, um eine stabile Befestigung zu garantieren. Das Mahl war wie gewohnt dekadent, der Rotwein und der Schnaps (stilecht aus dem einzigen Einheitsglas) half über die frühwinterlichen Temperaturen hinweg. Gegen 10 machten wir uns dann auf den Weg 50 Meter zum Vereinshaus, um das Warburger Bier zu testen. Nach der zweiten Flasche Bier hatte ich genug für diesen Tag und verließ die Räucherkammer um in meinem geräumigen Sardinenzelt zu verbringen.

Die Nacht verlief relativ trocken, am nächsten Morgen wurde ich gar von vorwitzigen Sonnenstrahlen geweckt. Doch die Hoffnung auf einen sonnigen Sommertag zerschlug sich schnell, gegen 9 Uhr kamen die langersehnten Regenwolken wieder

und machten ihrem Namen alle Ehre. So fand das Frühstück in den Schneckenhäusern statt und nach dem Frühstück kamen wir alle zu einer 'wat Nu?'-Sitzung zusammen. Kniffelspielen, 'rumgammeln und Stadtbummel oder doch etwa aufs Wasser? Nach langen Beratungen setzte sich die Paddelfraktion durch und pünktlich dazu rissen die Wolken auf, wir entschieden uns, auf Nummer sicher zu gehen und zwei Aussetzmöglichkeiten bereitzustellen, falls das Wetter doch zu schlecht wird, oder einen die Kräfte verlassen sollten. Unzählige Paddelkollegen setzten währenddessen beim Campingplatz ein, aber diese Tour hatten die anderen ja schon hinter sich.

So folgten wir denn auch Gabi und Manfred und ihrem GPS-Verkehrsleidsystem, daß nach dem Zufallsprinzip eine Route berechnet, die sogar oft zum Ziel führt. Dru-hum reih' Dich ein in die Paddlerfront, weil Du ein auch Pfingstpaddler bist!' hieß es dann an der Brücke in Liebenau, denn fast im Minutentakt trafen hier mehr oder weniger professionell organisierte Paddelhorden ein, um sich in die Diemel'schen Fluten

zu stürzen. Da wir die Autos noch zu den Aussetzstellen bringen musste, hatten wir genug Zeit, die anderen zu beobachten und die eine oder andere Diskussion zu führen. Ein professioneller Kanuvermieter klagte uns sein Leid, die Liebenauer Anwohner schätzen die vielen Paddler gar

nicht und würden sie am Liebsten ganz verbieten, auf jeden Fall sind in Zukunft Restriktionen zu erwarten, ob eine zeitliche oder mengenmäßige Beschränkung wird sich noch zeigen, vorerst säumen 'Betreten Verboten'-Schilder die Einsatzstelle.

Nach einer halben Stunde Zwangspause (bei Sonnenschein!) setzten wir schließlich ein und ließen uns von der relativ starken Strömung entführen. Ali setzte als Letzter ein und legte eine filmreife 'Ich setze mich zwischen Boot und Steg'-Nummer hin, was ihm ein feuchtes Hintertheil bescherte. Zügig ging es bachabwärts, es gab einige muntere Schwallstellen, aber ohne größere Schwierigkeiten, man darf sich eben nicht planlos treiben lassen, sondern sollte sich schon für die richtige Route entscheiden. Das Wetter hielt am Anfang gut durch, man vermißte fast die Sonnenmilch, da ging ein gewaltiger Schauer nieder, den wir unter einer Brücke, die wie gerufen auftauchte, abritten. Malte, der sich bis jetzt tapfer in seinem 'Mops' geschlagen hatte, tauschte mit Svenja und nahm im Zweier Platz, etwas widerwillig nahm Svenja im 'Mops' Platz, aber in Kürze stand ja eine Wehrbefahrung an.

Nach dieser kleinen Zwangspause ging es weiter auf ein Wehr zu, Uwe hielt kurz inne, stellte sich leicht schräg und war einen Wimpernschlag später verschwunden, alle anderen (bis auf den 2er natürlich) folgten ihm mehr oder weniger elegant hinterher......alle?.......wirklich alle??.........nein, einer tanzte natürlich mal wieder aus der Reihe, unser lieber Heiko rutschte zwar bilderbuchmäßig die Wehrkrone hinunter und blieb ebenso bilderbuchmäßig mit der Bootspitze zwischen zwei Steinen stecken. Da hing er nun, alles Ruckeln und Schieben half nichts, das Boot bewegte sich keinen Millimeter. So ging es ungefähr 10 Minuten, sehr zum Vergnügen der Zuschauer, von denen mehr oder weniger sinnvolle Vorschläge (Aussteigen!) kamen. Uwe

kämpfte sich an den Feststeckenden heran, aber nix half, der verflixte Kahn steckte bombenfest. Erst als Uwe mit einem Seil nach unten zog und ich die Schnauze von Obelix wieder und wieder unter den Gestrandeten stieß, löste sich die Fuhre und mit einem erleichterten Platscher donnerte unser Held das Wehr hinab. Hier war erstmal Wasserschöpfen angesagt, denn die Nase hatte bei der ganzen Aktion doch etwas gelitten und die Gurtschlaufen waren auch wohl etwas löcherig eingefaßt.

Beschwingt ging es dann auch weiter, nach einer halben Stunde erreichten wir unseren ersten Aussetzpunkt, hier verabschiedete sich der Heiko'sche Anhang von uns. Wir nutzten die Pause, um uns zu stärken, der Paddelriesling [tm] war optimal temperiert, etwas Gutes muss das Wetter ja haben. Pünktlich zur Abfahrt fing es dann auch an, zu regnen, ein Wetterzustand, der uns bis zum Aussetzen in Trendelburg hartnäckig verfolgen sollte. Also Paddeljacken an, Spritzdecken

festgezurrt und durch! Auf gut der halben Stelle kamen wir an ein Wehr, aus 200 Metern lt. Flußführer wurden strapaziöse 600 Meter mitten durch ein verlassenenes Nest, an der Einsatzstelle war wieder ein mittlerer Kanustau angesagt, auch hier lieferte Ali wieder eine artistische Rutscheinlage, diesmal aber eindeutig besser koordiniert. Die letzten Kilometer bis Trendelburg schüttete es dann wirklich wie aus Kübeln, ich gab Obelix ordentlich die Sporen, mit dem Erfolg, daß mir jetzt noch das 'Bugwasser' um die Ohren spritzte, aber das war mir in dem Moment auch schon egal. Da tauchte schon Trendelburg auf und in der Ferne blitzte das Schirmelmobil. Nix wie 'raus aus dem Kahn. Schnell wurden die Boote aufgeladen und einige Wagemutige zogen sich sogar schon um, aber im warmen Auto war das Wetter schnell vergessen. Im Basislager angekommen, hörte der Regen dann wieder auf, und den Rest des Abends verbrachten wir dann wieder unter der Tarp-Konstruktion. Nach dem

Barbecue verabschiedeten sich Gabi und Manfred, ob heute abend oder morgen früh war bei 2 Stunden Fahrzeit eine leichte Entscheidung. Wir anderen hielten aber tapfer durch, und wie ein Wunder war es in der Nacht und am nächsten Morgen trocken geblieben. So wurden nach dem Frühstück die Zelte abgebrochen, was bei mir 5 Minuten dauerte, aber bei den raffinierten Klapp/Zelt/Caravan-Konstruktionen von Uwe und Heiko schonmal gut 2 Stunden in Anspruch nahm. Vor allem die raffinierte Rapido-Konstruktion von Heiko (Made in Fronkraisch) hatte es mir angetan.

So verließ ich gegen 13 Uhr das Schlachtfeld, und fuhr gen Höxter, wo ich Dirk, dem Hauswart einen Überaschungsbesuch

abstatten wollte. Leider weilte er auf irgendeinem Schützenfest, so bewunderte ich die 'Schlucht' beim WSV Höxter, wo tief unten die Weser floss. Von der Stelle, wo Micha und ich angelandet waren, hatte man noch gut 50 Meter zu marschieren, da hatten wir ganz schön Glück damals. Gemächlich ging es dann zurück nach Hannover, die Sonne gewährte sogar ab und zu die Gnade ihrer Anwesenheit. Gegen 17 Uhr kam ich dann an, kurz nach mir kam der restliche Konvoi und mit den üblichen Räumereien ging diese Fahrt zuende.

Fazit: 300 km Fahrt auf der Straße, 18 km auf dem Wasser, genug Regenwasser von oben, kompensiert durch Obstwasser von innen, mit dem Langboot hätte man auch fahren können (bis auf das Wehr), nix für Warmduscher, Schattenparker und Vorzeltheizer, ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich irgendwann einmal dieses Jahr eine längere Tour mit gutem Wetter machen werde.

 

Jo Kaiser