a in Österreich

Unterwegs im Rhume-Dschungel

Vollgas, Paddel längs, Kopf 'runter und ab durchs Gehölz.....

....dies erwies sich spätestens nach der 10. Kurve und dem damit verbundenen Kontakt mit der klatschnassen Vegetation als die beste Taktik, jedenfalls, was mich anging. Egal, wie man es anstellte, man war sowieso schon im Schnurzpiepegal-Modus, die Klamotten eingesaut und wassergesättigt, es zählte nur noch eins: 'Durch, egal wie!'

Die Rede ist hier nicht von einer Expedition 'to the jungle of the amazonas', sondern von unserer ganz normalen? Sonntagsfahrt auf der Rhume von Woltershausen bis knapp vor Northeim. Diese Tour war ja ursprünglich auch auch für unsere Schnupper-Anfänger gedacht, aber wenn ich da nur an die erste und zweite und dritte und .... Ein/Umsetzsetzstelle denke, dann war es doch wohl eine göttliche Fügung, daß sich mal wieder fast nur der harte Kern im Dutzend versammelt hatte. Und so ging es dann auch gegen 9 Uhr auf zu Rhume und Ehre. Vorher noch ein kleiner Abstecher zur Rhume-Quelle, sehr imposant, wie das Wasser dunkelgrün aus dem Trichter quillt, aber ich versichere, daß nach unserem Besuch kein wie auch immer gearteter Gelbstich hinzukam.

Dann war es soweit, bei Woltershausen ging es zur Einsetzstelle, man hatte die Auswahl zwischen Steilböschung mit viel Brennesseln, Steilböschung mit ganz viel Brennesseln und einer Steinmauer mit ca 1 Meter Höhe. Doch irgendwie gelang es jedem, seinen Kahn zu wassern und ungewässert zu entern, und schon ging die muntere Kurvenfahrt los. Ich hatte mich trotz der Bedenken von Matthias ('Hast Du Dir das wirklich gut überlegt mit Deinem Schlachtschiff?') für meinen 5.20-Frachter entschieden, denn die 24 km mit der Alternative Obelix hätten mich doch stark geschlaucht und im Kanuwanderbuch steht ja was von 'Immer fahrbar auch für Zweier', das Bessere ist einfach der Feind des Guten und man will ja schließlich seine Grenzen finden (ich fand sie an diesem Tag noch nicht ganz)

Achja, das liebe Wetter, nach der kleinen Hitzewelle bis Samstag hatte der Wettergott ein Einsehen und schickte mal wieder seine Regengeister an die Rhume, es regnete nicht permanent, aber in kleinen Dosen, was eigentlich nicht viel ausmachte, denn durch den innigen Kontakt mit der Vegetation war es egal, ob die Nässe aus 10000 oder 1 Meter kam. Und wo man sonst nur sanftes Paddelgeplätscher oder mehr oder weniger dezente Unterhaltung vernahm, so war die Luft diesmal erfüllt von krachenden Ästen, Warnschreien und mehr oder weniger gelungenen Konter/Befreiungschlägen. Das hört sich jetzt schlimmer an als es war, die Stimmung war insgesamt sehr gut, ein bissel Masochismus gehört halt zum Paddelgeschäft dazu.

Das Feld zog sich schnell auseinander, an den Engstellen staute es sich mitunter, und die, die es geschafft hatten, schauten, daß sie schnellstmöglich weiterkamen, durch meine Taktik (wer bremst verliert) machte ich mich bei meinen Vordermännern/frauen nicht allzu beliebt und setzte mich auch schnell in die Spitzengruppe ab, ich brauche halt ein bißchen Schwung (und die ganze Flußbreite) zum rangieren, aber nach den ersten mit dem A...lerwertesten knickgelenkten heil überstandenen Kurven machte es wirklich einen Riesenspaß.

Plötzlich wurde es ganz vorne unruhig, und schon sah ich mich auf eine Brücke zusausen, die ca. 20 cm Luft zum Durchfahren ließ, definitiv zu wenig. Man hatte also das erste Wehr entdeckt. Also Vollbremsung und die Nachfolgenden gewarnt. Das war auch die einzige Stelle, wo mir ein bißchen die Düse ging und ich jeden cm über 4 Meter meines Bootes verflucht habe (ca.120 Flüche ;-). Denn man mußte in einer ziemlichen Strömung quasi auf der Stelle drehen, eine Übung, die sich bei ca. 5.50 Meter Bachbreite und dem obligatorischen Gebüsch, als eine ziemlich nerven- und kraftaufreibende Angelegenheit erwies.

Der Ausstieg war signifikant suboptimal, doch es sollte sich herausstellen, daß er (nach 600 Meter Umtragen durch ein Kaff) noch von der Einsatzstelle weit übertroffen wurde, es galt, eine Steilböschumg herabzuspringen, unten auf einer schlammigen Uferstelle seinen Kahn von oben entgegenzunehmen und dann irgendwie zu versuchen, diesen zu entern. So zog sich dieser Vorgang gehörig in die Länge, und als ich nach ca 15 Minuten einen gehörigen 'Platsch' vernahm, da freute ich mich schon auf das erste Kenterbier (ich darf als geborener Hesse gehaessig sein ;-), aber es waren Ali und Uwe, die stilecht mit einem Alpinstart von der Böschung krachten.

Es kamen im Verlauf der Tour noch 3 Wehre bzw. Umsatzstellen, und es ließ sich eine gewisse Verbesserung der Umsetzerei feststellen, aber als anfängerkompatibel möchte ich keins von diesen bezeichnen. Nach ca. 10 km war man auch mal in der Lage, mehr als 200 Meter ohne näheren Kontakt mit der Flora (und Fauna, meine Spritzdecke war zeitweise ein Insektenzoo) zu paddeln, und es stellte sich die Frage nach einer Möglichkeit, auf festem Boden seinen frugalen Gelüsten zu frönen. Die Theoretiker stoppten, und studierten ihren Flußführer, die Praktiker fuhren 100 Meter weiter, entdeckten links am Ufer 'was rotes Bootsähnliches' und das erwies sich dann als der gesuchte Minigolfplatz, der zwar geschlossen hatte, aber dennoch die Möglichkeit bot, sich an ein paar Tischen der Nahrungsaufnahme zu widmen.

Mein Schiff hat ca. 175 Liter Stauvolumen, davon war knapp 1/200 mit meinen Vorräten in Form einer Flasche Paddelriesling belegt, mehr brauche ich auf Kurz- und Mittelstrecken (bis 60 km) nicht, Manfred und Gabi befanden den Stoff auch für gut, im Winter gibt's dann wieder Pinot Noir ;*). Nach dem Einsetzen folgte kurz darauf das Aussetzen, das war sicher nicht das fahrbare Wehr, es sei denn, man steht auf 2-Meterhohe Überfallwehre. Über eine Wiese ging es wieder nach unten, und weiter im Schweinsgallopp, die Rhume hatte hier ganz schön Zug. Doch hier irgendwo floß die Hahle dazu, und der Bach verbreiterte sich doch deutlich, die restliche Strecke erinnerte mich irgendwie an die Trave, ab und zu ein paar Schwälle, aber keine nennenswerten 'Reich mir mal die Machete'-Passagen.

Hier konnte ich fast mit Vollgas durch die Kurven brettern, und so ereilte mich in Katlenburg nach einer Schwallstrecke der Ruf: 'Hier sind unsere Autos!!' im ungünstigsten Moment der höchsten kinetischen Energie. Da war mal wieder eine Vollbremsung angesagt, und als Strafe für meinen Übermut hatte ich mit die längste Zurück-Schleif-Strecke zu absolvieren. Pünktlich nach dem Umziehen (definitiv alles reif für den Waschgang: sehr stark verschmutzt) fing es dann auch an, zu regnen, das nenne ich Timing, und so ging es dann wieder auf der A7 zurück zum Verein. Hier war mal wieder eine exzessive Bootswäsche angesagt, wollte man nicht den halben Rhumewald ins Bootshaus schleppen. Dann noch schnell 32.06 DM Fahrtkostenbeteiligung abgedrückt und 1 Kilo Kirschen verdrückt und wieder ausgesät, und ab ging's in die Heia...

War mal wieder eine richtige Abenteuerfahrt mit den ganzen halsbrecherischen Ein- und Außenstellen und der Schnitzeljagd durchs Gebüsch, aber ich hege doch leichte bis mittelschwere Bedenken, ob diese Fahrt für absolute Neulinge die wahre Erleuchtung gewesen wäre. Obwohl, meine erste (ernstzunehmende) Fahrt fand ja auch im Dezember 1999 auf der Örtze im Schneetreiben statt, und hat mich nicht abgeschreckt (trotz Kenterung), im Gegenteil ;-) Aber ich denke, daß es allen Teilnehmern viel Spaß gemacht hat und bin jetzt fest entschlossen, mit Pinot Noir mal meine Jungfernfahrt auf der (Kurven)örtze zu wiederholen.

Jo K.