m Sommer nie mehr!

Steinhuder Meer - im Sommer nie mehr!

Quengelnde Kinder, Staus, Familienkrach, überfüllte, überteuerte Lokale - dazu muss man keine 2-Wochen-VP-Pauschalreise nach 'Malle' buchen, nein das kann man auch hier haben ;-)

Ich habe heute tatsächlich die Umrundung gewagt, bin jetzt wieder heil angekommen, nur die 6 Stunden Fahrt bei >25°C habe ihre Spuren hinterlassen, im Nacken hat mich ein Sonnenbrand erwischt und ich bin irgendwie ausgelaugt, obwohl es nur ca. 30 km waren, aber das ist wirklich nicht mein Wetter, vor Oktober bekommt mich da keiner mehr hin... Aber ich hatte ja gewußt auf was ich mich einließ, mich an einem Feriensonntag bei (landläufig) schönem Wetter in die Höhle des Steinhuder Löwen zu begeben, und so bekam ich, was ich verdiente, glücklicherweise habe ich eine ausgeprägte masochistische Ader.

Das Aufladen des Bootes und sonstigen Hilfswerks verlief mit der üblichen Routine und gegen 9 Uhr ging es auf die Reise, aber schon auf der B6 an der Baustelle kam, bedingt durch ein halbstündiges stop-and-go, so richtig Urlaubsstimmung auf. Kurz vor Mardorf staute es sich auf der Moorholperstrecke erneut, eine nichtüberholbare Pferdekutsche stellte die Nerven des Erholungshungrigen erneut auf eine harte Probe, ermöglichte aber andererseits ein ausgiebiges Studium der Hinweis-Schilderbäume und so erspähte ich ca 500 Meter vor Mardorf ein kleines diskretes Schild mit dem DKV-Wimpel und ich bog unter Lebensgefahr (Gegenverkehr) in den DKV-Weg ein, auf einer Buckelpiste erreichte ich nach weiteren 500 Metern den Parkplatz des LKV, jetzt stand ja meinem Abenteuer nichts mehr im Weg - oder?!

Vor den Erfolg (Boot einsetzen) hatte der LKV aber noch den Schweiß (Registrierung) gestellt, der Parkplatz war natürlich bis auf den letzten Platz belegt, also lud ich den Kahn ab, stellte mich ins Parkverbot, dann ging es immer den großen 'ANMELDUNG'-Schildern hinterher, die mich schließlich in das Lokal beim LKV-Heim führten. Hier trug ich mein Anliegen vor, auf mein zaghaftes Begehren hin: 'Mal für heute das Steinhuder Meer unsicher zu machen' wurde mir gegen Vorlage des DKV-Ausweises und endgültiger Überlassung von DM 2,- ein Schlüssel ausgehändigt, der mir ermöglichte, zum Parken einen ausgelagerten Parkplatz zu öffnen. Dazu ging's ganz zurück auf die Straße, diese wurde unter erneuter Lebensgefahr gequert und dann lag auf einem Acker links der heißersehnte Parkplatz, mit Hilfe des Schlüssels wurde der heilige Gral geöffnet und ich war wenigstens die eine Sorge los.

Die Sonne brannte bereits erbarmungslos, und die Tatsache, daß ich meinen Packsack noch ihm Auto hatte und diesen die gut 500 Meter zurückschleppen mußte, trieb mir nicht nur den virtuellen Schweiß auf die Stirn. Doch schließlich erreichte ich mit hängender Zunge den temporären Bootslagerplatz. Nachdem eine dort herumlungernde Horde Kiddies durch geduldiges Beantworten der üblichen Fragen: 'Ja, ich fahre damit alleine, nein ich kann niemand mitnehmen....', besänftigt hatte, ging es endlich gen Anlegesteg. Auf dem Fußweg direkt am See herrschte reger Verkehr, die Menschen drängten sich am Ufer entlang, die Kinder quengelten, die Radfahrer drängelten, die Lokale waren bis auf den letzten Platz besetzt, trotz saftigem Sommerzuschlag. Nixwieweg! Am Holzsteg noch ein paar Gummientenschwimmer vertrieben und dann das Boot elegant ins Wasser geschmissen und mich hinterher, jetzt konnte es losgeh'n, immerhin war es schon fast 11 Uhr.

Jetzt galt es, die Drehrichtung auszuloten, sollte es eine 'Linksrumme' oder 'Rechtsrumme' Fahrt werden, es war leider kein fühlbarer Wind auszumachen aber der Wetterbericht sprach von Südwind, also ging's nach Norden. Die ersten 3 km ging es an eeeeendlosen Segelbootstegen vorbei, das Wasser war hier so flach, daß man zwischen den bauchhoch im Wasser stehenden Badenden manövrieren mußte, die sich überall in Ufernähe herumtrieben, dazwischen schlichen einige Segelboote mit Elektromotor umher, die Segel hingen mehr oder weniger schlaff in der ultralauen Brise. Nach einer guten halben Stunde war dann endlich Begrünung an der Uferböschung auszumachen, aber rote Bojen hielten einen eindringlich davon ab, sich dem Ufer zu nähern, hat ja auch irgendwie seinen Sinn, da es sich um einen Schilfgürtel handelt, auf dem sich unzählige Wasservögel tummelten. So ging es dann auch in gebührendem Abstand am Nordufer vorbei, endlich war Schluß mit dem Menschenlärm.

Hier kam auch endlich etwas Wind auf, sanft schlugen die Wellen gegen den Bug von Pinot Noir und die Segelboote waren glücklicherweise auch spärlich gesät. Es stellte sich sogar fast sowas wie ein Gefühl der unendlichen Weite und Einsamkeit auf. Doch da näherte ich mich auch schon Steinhude, der Lärm schwoll wieder mächtig an. Hier konnte man theoretisch wieder in Ufernähe fahren aber angesichts der Menschenmassen, die sich am Ufer drängelten und den unzähligen Elektro-Leihbooten nahm ich davon Abstand. Ich umkreiste einmal die Badeinsel, die Disco hämmerte und ein viertklassiger, kurz vor der Ertaubung stehender DJ hatte dort auch mal die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Von meiner blauäugigen Absicht, anzulanden, und mir ein paar Fischbrötchen einzuverleiben, nahm ich angesichts dieser Kirmesatmosphäre auch Abstand und düste weiter Richtung Süden.

Hier gab es mal ein kleines Stück, ca 1 km, wo man entlang der Uferböschung fahren konnte, zwar verlief dort auch ein Fußweg, aber dort hielt sich der Verkehr einigermaßen in Grenzen, und dies war mit dem Nordufer eigentlich der schönste Teil der Fahrt. Nach 2 km kam von links ein Wasserarm, der wohl langfristig mit dem Mittellandkanal verbunden ist, aber nach ca 1 km brach ich die Befahrung ab, da es dort absolut windstill war und die Sonne erbarmungslos hereinbrannte, war die Hitze unerträglich, und nach einem kleinen PB (Pinkel-Break), wo ich von blutgierigen Moskitos fast gefressen wurde, ging es schnell wieder aufs offene Wasser. Von hier an bis (wie sich später 'rausstellte) zum Segelhafen am anderen Ufer war der gesamte Uferstreifen weiträumig abgesperrt, mindestens 500 Meter, was mir an dem Tag nicht viel ausmachte, da der Wind sowieso eher in Richtung Seemitte 'blies', aber bei Starkwind stelle ich mir das eher suboptimal vor.

So zog ich dann die 2 km zur Insel Wilhelmstein, vorbei an diversen Segelbooten, die in der lauen Brise durch die Fluten krochen, einen handfesten Ehekrach erlebte ich dabei, sie hatte wohl seine Anweisungen nicht so befolgt, wie befohlen, so ist's halt im Urlaub oft wie zu Hause. Die Insel selbst war nicht so der Bringer, rundherum meterhohe Stahlwände mit Leitern zum Anlegen, für meine Pille-Palle Nußschale war da kein Land zu gewinnen, dazu überall der Spruch im besten preussischen Befehlston 'Anlegen kostenpflichtig, die Gebühr ist beim Inselverwalter zu entrichten'. Das zusammen mit der ebenfalls akuten Überfüllung und den eher feindseligen Blicken von irgendwelchen Knut Buttnasen, die in Holzbooten mit stinkenden Außenbordern die Touries auf die Insel karrten, trieb mich schnell wieder weg und ich paddelte gut 3 km Richtung Südufer.

Hier 'frischte' der Wind wenigstens ein klein bißchen auf, und in den 0,3-meterhohen Wellchen stellte sich in Ansätzen so etwas wie 'Seefeeling' ein. Der Himmel hatte sich indessen bezogen und dunkle Wolken formierten sich, was die Temperatur aber keinstenfalls beeindruckte, so langsam begann mein Kreislauf leicht zu rebellieren und ich musste mein Tempo in den Zockelmodus schalten. Da die Uferzone sowieso nicht zu befahren war, (hier konnte ich es nicht so recht nachvollziehen, denn es war hier kein Schilfgürtel, sondern stinknormales (Stein)ufer mit vielen Aalreusen und auch einigen Häusern), hielt ich mich eher in Seemitte und erreichte nach einer knappen halben Stunde die Phalanx der Segelboot-Stege. Hier war wieder ein emsiges Treiben, man hat also am gesamten Ufer die Auswahl zwischen 'is nich!' und 'menschlichem Getöse' also wenn man kein eingefleischter Hochseefreak ist (mit entsprechender Ausrüstung und Motivation), kommt beim Steinhuder Meer mit dem Segelbootslalom wenig Freude auf und bei starkem Wind stelle ich mir das Ganze auch nicht ungefährlich vor.

Doch nun meine letzten (Kilo)meter - wo in Herrschaftszeiten war nur der elende DKV-Steg? Ich hatte mir fatalerweise die Nummer von dem Steg nicht gemerkt und auch sonst keinen visuellen Anhaltspunkt und so sah man nur Segel und Masten, Masten und Segel, als ich fast schon an den Stegen vorbei war, kam dann ein déjà-vu Erlebnis, aha, da war ich also schonmal, aber wieweit jetzt zurück?. Befragungen der um die Stege herumlungernden gaben auch nur bedingt Grund zur Freude, da ziemlich widersprüchlich, doch letztendlich gab mir ein Paddelkollege im Klepper-Falter den entscheidenden Hinweis, und so erreichte ich gegen 17 Uhr wieder den festen Boden.

Hier hatte der Massenauflauf noch eine Steigerung erfahren, also nix wie hin und das Auto geholt, Boot draufgeschmissen und den Schlüssel bei der Kneipe (schubs/drängel) abgegeben, als ich endlich vom Hof rollte und mich dann im Sonntag-Feierabendverkehr (diesmal fast 1 Stunde vor Stöcken) zum KSC quälte, war meine Laune so ziemlich am Tiefpunkt angelangt, also das muss ich mir nicht noch mal geben...

Und die Moral von der Geschicht: Das Steinhuder Meer ist fürs Paddeln nur sehr bedingt geeignet, man ist wirklich gezwungen, auf 8/10 der Strecke etwa 4-500 Meter vom Ufer entfernt zu fahren, was bei plötzlich auftretendem Wind unangenehm werden kann. Dann der starke Segelboot-Verkehr, wobei man auch hier Sonntags von einem hohen Anteil Sonntagsseglern ausgehen kann, die ihren Kahn nicht 100% beherrschen, ich habe 2 Beihnahe-Kollisionen gesehen. Die Infrastruktur ist nicht für Paddler ausgelegt (sehr hohe Stege), also ich werde mich noch mal frühestens Ende September/Anfang Oktober darauf begeben, aber fürs normale Training ist dieses Gewässer für mich in die 14. Reihe gerutscht, da lobe ich mir doch den guten alten Maschsee.

Jo K.