liegt die Wörze

In der Örtze - liegt die Wörze

(oder: wie wir aus böhmischen Dörfern in die Örtze störzten ;-)

<räusper> genug ge-'rühmannt', gehen wir mit dem gewohnten und angemessenen Ernst an die Sache </räusper>:

Am Sonntag, den 29.Juli trudelte ein noch etwas unausgeschlafenes Häuflein KSC'ler ein, außer den alten Hasen Ali, Jo, Ernst, Christa, Wolfgang, Gabi und Manfred waren auch unsere Neuzugänge Sanne und Matthias II angetreten und luden in der angenehmen Morgenfrische die Boote auf die Autos, und nachdem auch Ali seinen Krempel verstaut hatte, ging es ohne nennenswerte Behinderungen nach Dorfmark in der Nähe von Fallingbostel. Die Einsetzstelle war nur ca. 500 Meter von der Autobahnabfahrt entfernt und durch diverse Schilder unmöglich zu übersehen, so war es nur eine Sache von wenigen Minuten und die Boote waren vom Autos geschmissen.

Eine erste Besichtigung des Stegs ließ auf einen niedrigen Wasserstand schließen, und richtig, gegenüber war ein kleiner Markierungspfosten mit einer roten Markierung, die deutlich unterschritten war, da half auch kein Schielen und 'Kopfschiefhalten'. Das Umsetzkommando hatte sich zwischenzeitlich schon abgesetzt, aber die darauffolgende Diskussion ließ keine ander Möglichkeit offen als: 'Hier paddeln wir heute nicht!' Gewiß vom inneren Schweinehund her keine leichte Entscheidung, so nah am Ziel abzubrechen, aber als DKV-Mitglied haben wir ja eine gewisse Vorbildsfunktion, und es gibt sicher genug Leute, die darauf warten, eine Gelegenheit zu finden, die Sperrung der Böhme vom 15.7, wie bisher, auf's ganze Jahr auszudehnen. Dieser Meinung schloß sich auch eine zweite Paddelgruppe (Ein Canadier) an, ebenso wie wir luden sie ihr Boot wieder auf die (zwischenzeitlich zurückgeholten) Autos und nach einer kurzen Beratung ging es dann zum Nachbarfluß, der Örtze. Eine einheimische! (SFA-XX XXX) Familie ließ sich indess nicht beirren und setzte ein.

Nundenn, wir beschlossen, in Eversen, dem Schlußpunkt der Örtze-Fahrt vom letzten Wochenende, einzusetzen und über Wolthausen nach Winsen an der Aller zu paddeln. Die Einsetzstelle hätte auch hier ein Blinder mit Krückstock gefunden, ein gutes Dutzend Boote säumte die großzügig geschnittene Uferanlage mit Super-Luxussteg. Die Umsetzphase wurde mit Testbefahrung (Ali + Matthias II), Wassertemperatur testen (meine Wenigkeit, nicht das letztemal an diesem Tag, es war wieder schweinewarm geworden) und/oder Nahrungsaufnahme/Faulenzen überbrückt, doch schließlich war man bereit für das große Abenteuer und es ging los in Richtung sonniger Süden.

Also die Freizeitpaddler, die einmal im Jahr mit irgendwelchen Leihkanus die Örtze befahren, sind schon ob ihres Mutes (oder besser Gottvertrauens) zu bewundern, denn die Örtze hat auch hier (vor der klassischen Kurvenörtze ab Wolthausen) reichlich Kurven, Hindernisse und Strömung, und insbesondere mit nicht gerade kleinflußoptimierten Gefährten wie meinem Plaste/Elaste-Seekajak 'Pinot Noir' (Vorderschiff unten unten rechts halb im Bild) und dem Hoppe'schen Sundowner Kanadier (in der Mitte, beim Versuch, genau die Stelle zu treffen, wo der Baum den geringstmöglichen Widerstand bietet) muss man schon eine gehörige Portion Konzentration und taktisches Feingefühl entwickeln, um nicht in jeder Kurve anzuecken. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und ich und mein Schlachtschiff sind ebenso wie Christa und Ernst ein Dream-Team ;-)

Ganz links begutachtet Wolfgang fachmännisch das Geschehen und die Fotografin Gabi hat sich sicherheitshalber ganz weit hinter dem Baumstamm in Sicherheit gebracht. Es gab ungefähr 3 Stellen, wo man nur mit viel Gleitmittel 'rüberrutschen konnte, aber an einer Stelle (natürlich direkt hinter einer scharfen Linkskurve) war dann wenigstens für den Kanadier Umtragen angesagt, die Kajaks konnten sich mit artistischen Zwangseinlagen gerade noch so durchmogeln.

Der Bach an sich ist wirklich traumhaft, eine Fahrt mitten durch den Wald, mit (hier noch) kleinen Wiesenabschnitten, fast immer genug Schatten, der einen vor der erbarmungslosen Sonne, nicht jedoch vor den zahlreichen, extrem lästigen Bremsen schützte, die sich an diesem Tag kamikazemäßig auf die geplagten Paddler stürzten. Wir überrundeten eine Gruppe nach der anderen, der KSC läßt sich eben nicht so einfach von Prallhängen und Strömungsgebüschen aufhalten wie so manch hilflos im Wasser herumstochernder 'EinmalimJahrPaddeler'. Unsere beiden 'Frischlinge:-)' Sanne und Matthias II hielten tapfer mit, ja es kam mir so vor, als wären sie schon immer dabeigewesen.

So erreichten wir nach ca 10 km das Wehr bei Wolthausen, hier war von der ruhigen Natur nicht mehr viel übrig, unzählige Boote samt Besatzung nutzten diesen Ort zur mehr oder weniger frugalen Pause, auch ich nahm ein weiteres Bad außerhalb der Menge überhalb des Wehres, ganz zaghaft an meinem noch recht gut gekühltem Paddelriesling nuckelnd, war das Paradies nicht weit. Eine Dose 'root beer' (wem das schmeckt, der hat die amerikanische Kultur verstanden) hatte ich erwartungsgemäß für mich alleine, Manfred wagte als Einziger einen Probeschluck, sein Gesichtsausdruck war reif für die versteckte Kamera. Doch irgendwann ist auch die schönste Pause zu Ende und unterhalb des Wehres hieß es die nächsten knapp 500 Meter:

treideln, treideln und nochmal treideln, bei inzwischen knapp 30°C ein recht zweifelhafter Genuß, doch da mußte man durch, vorne entzückt uns Manfreds schöner Rücken, weiter vorne ist unschwer Ali auszumachen der, gelbe Strich ist der Kanadier von Hoppes und der rote Punkt mein knallllrotes Prijonboot [tm], deutlich sind der Knickspant, die Rundumleine und die aufgebogenen Spitzen zu erkennen.

Doch nach dieser Durststrecke erbarmte sich der Mühlenbetreiber unserer und entließ das Wasser wieder zu unserer Verfügung, so daß wir kurz darauf die Einsatzstelle bei Wolthausen erreichten, für mich in vielerlei Hinsicht ein 'magic spot' mit unzähligen 'déjà-vu's', hier machte ich mein Schnupperpaddeln, also meine erste (ernstzunehmende) Fahrt im Einerkajak am ersten Wochenende, nachdem ich zum ersten Mal donnerstags beim KSC war, gleichzeitig meine erste Winterfahrt (war Anfang Dezember 99, knapp unter 0°C), meine erste Kenterung (natürlich im ersten Drittel der Strecke), also eine durchaus prägende Fahrt, seitdem stehe ich aufs lange Wintertouren, (und lange Boote über 5.00 Meter und Frauen über 1,80 Meter..neiiin da bringe ich wieder was durcheinander, diese präg-nanten Ereignisse fanden danach und (weit)davor statt ;-)

Also galt es nun die magische Kurvenörtze mit meinem 5,20m-Schlachtschiff zu bezwingen, mit etwas flauem Gefühl ging es also in die ersten Kurven, aber schnell siegte die Routine über die Furcht und so legte ich meinen Kahn von Kurve zu Kurve, wenn die <zensiert> Bremsen nicht gewesen wären, hätte man sich wirklich auf die Strecke konzentrieren können, es mußte doch das eine oder andere Mal das Paddel aus der Hand genommen werden um die Biester zu massakrieren. So rückte die eine oder andere Böschung doch ziemlich nahe, aber irgendwie rettete man sich immer aus der Situation. Durch die konstruktionsbedingte Eigenart meines Bootes, sich bei geringen Geschwindigkeiten wenig bis gar nicht drehen zu lassen, setzte ich mich vom Hauptfeld schnell ab 'Ey Du oller Drängler' und raste von Kurve zu Kurve, extremer wie die Rhume-Fahrt war es keineswegs, also ich bin inzwischen zum richtigen Kleinflußfreak geworden ;-)

Doch nach ca. 5 km, wo der 'Alt-Örtzearm' sich wieder mit der Ur-Örtze vereinigt überkam mich ein plötzlicher hitzebedingter Schwächeanfall, ich schaffte es gerade noch, das rechte Ufer zu erreichen und ließ mich dann ermattet aus dem Boot und ins Wasser sinken. Auf dem Bild unten sind im Hintergrund deutlich meine zierlichen Konturen auszumachen, ein Anblick, denn der Rest des Feldes auch in eine temporäre Lethargie verfallen ließ...

...Ernst lümmelt sich im Kanadierheck, Christa fummelt in ihrem Gepäck, nur Wolfgang und Manfred als Vollprofis haben die Paddel immer noch in der 'Hab-acht-Stellung', Ali ist rechts vermutlich wieder am Lachen und Lamentieren, Matthias II scheint etwas verwirrt, so wirkt eben die 'gesunde' ozonhaltige Luft. Doch erfrischt (von meiner Seite aus) ging es schließlich weiter, Meter um Meter, Kurve um Kurve schraubten wir uns durchs schöne Örtzetal und erreichten schließlich den Campingplatz kurz vor der Einmündung zur Aller.

Doch irgendwas fehlte doch noch zu einer gelungenen Örztefahrt, ja richtig, da machte es auch schon 'Platsch' und Sanne lag im Wasser, den Ort perfekt neben der offiziellen Badestelle des Campingplatzes ausgewählt. Die klassische Örtze-Kenterung, einen Moment abgelenkt, diesmal durch eine Entenfamilie, und schon zeigt ein hinterlistiger Ast, wer hier Herr über Oben und Unten ist.

Und während sich Sanne hinter Gabi, der Fotografin, wieder ent-kentert, entern die Enten, das corpus delicti sozusagen, angelockt durch Christas Krumenköder, mein Boot, ein Umstand, der mich ebenfalls fast zum Kentern brachte, ich bin es einfach nicht gewohnt, Passagiere zu befördern (man beachte das diabolische Grinsen von Ali im Hintergrund).

Doch schon hinter der übernächsten Kurve wartete die Aller auf uns, und Pinot Noir erinnerte sich hier wieder an seine eigentliche Bestimmung, die Durchpflügung von großen, endlosen Wasserflächen und so blieb mir nichts anders übrig, als zu gehorchen und die restlichen 2 Kilometer volle Fahrt voraus anzuordnen, mein Bewegungsapparat fügte sich, korrumpiert durch eine letzte Örtze/Aller-Mischwasserdusche, und so ging es im Affenzahn Richtung Winsen, eine Strecke, die mich Anfang 99 mit dem Wildwasserboot, durchnäßt, den Rest meiner Kräfte kostete und die mir wie 10 km vorkam, absolvierte ich nun in einer knappen Viertelstunde. An der Anlegestelle angekommen, nahm ich ein letztes Bad, während unterdessen die anderen eintrudelten.

Das übliche Geräume und Umgeziehe in gleißender Sonne wurde durch die Ankunft der Autos beendet, schnell die Boote aufgeladen und dann eine Eisdiele geentert, wo wie durch ein Wunder noch genau 2 Tische frei waren, die von uns besetzt wurden und unter der Einnahme diverser Eisbecher klang die Fahrt dann aus. Zuhause trafen wie dann auf die Samstagsgruppe, die ebenfalls die Heide unsicher gemacht haben, mal schauen ob die auch was zu berichten haben.

Und wie immer das Wort zum...äh...Mittwoch (heute mal ultrakurz):

Die Örtze ist zu recht einer der beliebtesten (Klein)Flüsse Norddeutschlands. Auch wenn viel los ist, zieht sich das Feld schnell auseinander, die Laienhaufen hat man schnell versägt. Die Kurven verlangen schon einiges an Konzentration, und wenn diese nicht wie momentan durch die Hitze und Viehzeugs beeinträchtigt wird, dann werde ich die Fahrt sicher nochmal machen, allerdings in der 'all or nothing'-Version, also Müden bis Winsen (ca. 40 km) sollten an einem Tag* machbar** sein.

*wenn dieser um 7 Uhr abfahrtechnisch beginnt

** bei angemessenen Temperaturen, so um die 5-10°C, 0°C sind auch recht ;-)

Jo K.