dem Maschsee

Nicht lange gefackelt - die Nacht zum Tag gemacht

2 Nachtfahrten auf dem Maschsee

Innerhalb kürzester Zeit fanden 2 Nachtfahrten auf dem Maschsee statt, der Einfachheit halber habe ich beide Berichte hier fusioniert.

War mal wieder so eine Schnaps- (oder lieber Weinidee), auf jeden Fall ging es am Samstag, den 4.August zu nächtlicher Stunde Richtung Maschsee. Was die Berliner können, können wir schon lange, dort gehören diverse Nachtfahrten zum Standardprogramm, das ergab ein ausgiebiges Studium diverser 'Ick-bin-ein-Berlina-Homepages'. Davon und von der damaligen Hitzewelle inspiriert, hing ich einfach eine kleine Ausschreibung aus, welche sich auch schnell mit Nachteulen füllte, und so hieß es gegen 20 Uhr: Leinen los! Gegen Mittag huschten noch einige Schauer über den hannoverschen Himmel und so trennten sich am Abend auch schnell die ganz Harten von den Halbherzigen, von den ursprünglichen 9 Aspiranten blieben dann noch 6 übrig, obwohl sich das Wetter inzwischen stabilisiert hatte, die Sonne nutzte die letzten Stunden, um uns zu zeigen, daß sie noch existierte. Und so wurden dann auch die Boote seeklar gemacht und es ging mit langsamer Fahrt Richtung schneller Graben, den wir gegen 20.45 Uhr erreichten, noch war es hell und so ging es auch gleich weiter Richtung Maschsee. Der Spähtrupp berichtete von einem Massenauflauf an dem fürs Einsetzen vorgesehenen Steg, dichte Menschentrauben incl. Feuerwehr und DLRG drängelten sich darauf und so quetschten wir uns rechts davon in die Fluten des Maschsee.

Hier löste sich auch das Rätsel des Tumults, wir hatten die Ehre, den Massenstart der Fackelschwimmer hautnah mitzuerleben, die sich in die Fluten stürzten und sich auf ihre feuchtfröhliche Runde am Ufer entlang machten. Und so paddelten wir schon einmal vor ans gegenüberliegende Ufer und erwarteten die Fackler. Von der ersten bis zur letzten Minute auf dem See hatten wir immer die Pole-Position, also die besten (Sitz)Plätze, während sich am Ufer die Massen um die guten Stehplätze prügelten. Wir düsten quer über den See zum Nordufer und erlebten dort hautnah, nur von einem Gitter getrennt, die Vorführung eines Feuerlasso-Cowboys. Und so zockelten wir dann weiter am Ostufer entlang Richtung Süden, gaaanz gemächlich, unterwegs begegneten wir den Fackelschwimmern, es war inzwischen schon fast stockdunkel, was die Prozession noch imposanter erscheinen ließ.

Kurz nach der Pier51 gab es einen dumpfen 'Plopp', der Korken meines Paddelrieslings hatte sich gelöst und 6 durstige Kehlen sorgten für eine extrem rasche Verdunstung des edlen Tropfens. Bei der Löwenbastion war eigentlich ein Anlanden angedacht, das erwies sich aber in der Dunkelheit als ziemlich schwierig, da die Ufermauer ziemlich hoch (und bevölkert) war und die Stelle am Uferweg absolut in der finstersten Finsternis liegt. Maren, die ein dringendes Bedürfnis überkam, wagte dennoch den Ausstieg im Gebüsch und verschwand in der Dunkelheit. Ich wuchtete mich ans Ufer und Kai machte es mir nach, aber der Rest zog es vor, im sicheren Boot auf dem Wasser zu dümpeln. Ein liebenswerter Scherzkeks hatte unterdessen Marens Boot wieder in den See gestoßen, und wir hatten alle Hände voll zu tun, es wieder unter Kontrolle zu bringen, Zeit, diesen ga(r)stlichen Ort zu verlassen. Maren wagte erfolgreich den Einstieg von der Mauer, Streß verleiht eben Flüüüügel, und so entfernten wir uns denn von diesem Ufer mit Ballermann-Appeal.

Richtung Südküste wurde es dann ruhiger, hierhin verirrten sich nur wenige. In knapp 90 Minuten hatten wir den See umrundet, und mir fielen besonders die unterschiedlichen Grüppchen am Ufer auf, am Nordufer die große Masse, Richtung Pier51 dann die Wanna-be's und Schicki-Mickies, an der Löwenbastion die Party-Ballermann-People, die Südkurve eher 'low-level' formatiert und als wir dann Richtung Maschseequelle glitten, war schon von weitem lautstarke Country-Musik zu vernehmen, hier treiben sich also die (Pseudo)Cowboys/girls herum, vor meinem Canada-Jahr 1993 hätte mich diese Musik zur panischen Flucht getrieben, aber seitdem finde ich diese Musik, in Maßen genossen, richtig klasse, wie mit 'root beer' werde ich wieder temporär über den Teich gebeamt. Das zusammen mit einer perfekten Anlegestelle veranlaßte uns dann zum Ausstieg. Naja, wir wollten hier sowieso aussteigen, man wurde hier nicht totgetreten, dazu war das Bier DM 1,- billiger, also feuchteten wir unsere Kehlen mächtig an, auch die eine oder andere Bratwurst wurde vernichtet.

Hier stieß dann auch Barbara zu uns, sie hatte es vorgezogen, unsere Tour auf dem Landweg zu machen, da sie dem Wetter nicht traute, aber der Himmel war inzwischen sternklar, und die Luft lau, einfach traumhaft, wir saßen am Steg und ließen die Seele baumeln. Doch auch die schönste Hinfahrt wird von der Rückfahrt abgelöst, und so setzten wie gegen 11 Uhr wieder in die Leine ein. Ab hier war es wirklich fast stockdunkel, am schnellen Graben entschieden wir uns einstimmig (meine Stimme:-) für die Weiterfahrt durch die Stadt über den Landtag. Die Sicht war gleich null, ich fuhr einfach nach Gefühl vor, und sie anderen folgten Boot an Boot, fast kein Wort fiel, lautloses Hingleiten durch die Dunkelheit, eine gespenstische Stimmung. Mein 7. Sinn führte uns dann zur Aussatzstelle beim Waterloo-Biergarten, hier wartete auch Barbara wieder auf uns, ein bewunderndes Bedauern simulierend.

Wir verkniffen uns dann ob der fortgeschrittenen Zeit und der doch schon nachlassenden Kräfte einzelner Nachtpaddler einen Besuch des Biergartens und schleppten die Boote zum Landtag. Dort war wieder ein Hauch von Beleuchtung auszumachen, und das Einsetzen war absolut kein Thema mehr. Die Reststrecke war ja den meisten schon bekannt, so setzten sich Matthias und Kai auch schnell an die Spitze und rauschten davon. Ich genoß die Strecke im gewohnten Zockeltempo, den Rest der Truppe im Schlepptau. Erst auf der Ihme absolvierte ich den obligatorischen Endspurt und so erreichte ich gegen 0.30 Uhr den heimatlichen Steg. Gegen 0.40 Uhr waren alle aufs dem Festland zurückgekehrt und so endete diese denkwürdige Fahrt. Schnell noch die Boote in den Schuppen gehievt (Aaaah, mach das Licht aus!!! ;-) und gut abgekämpft aber hochzufrieden machte sich der Pulk vom Acker ab in die Heia.

Einfach eine Superfahrt wie aus dem Bilderbuch, genau mein Stil, ohne viel Planung und Gedöns aufs Wasser und ab, schreit nach Wiederholung, und während ich diese Zeilen tippe, freue ich mich schon riesig auf die Nachtfahrt heute abend (Samstag, 11.8), wieder auf den Maschsee, diesmal zum endgültigen Abschluß des Maschseefests, heute ist es das Wetter fast herbstlich, genau mein Wetter, mal sehen, was die anderen sagen, aber es soll ja nicht mehr regnen und die einzigen Gründe für mich, eine Fahrt zu canceln, sind Hochwasser und geschlossene Eisschicht, beides ist nicht zu erwarten. Leider??!

Illu..li..luli..lumin...Lichterfahrt auf dem Maschsee

Und wieder versammelte sich ein abenteuerlustiger Trupp gegen 19 Uhr beim Verein, diesmal sollte es zur Maschsee-Illumination gehen. Die Fahrten sind von der Route, dem Zeitverlauf und dem Ablauf ziemlich identisch, ich beschränke mich daher auf die Unterschiede bzw. Besonderheiten. Also diesmal waren wir nicht die einzigen Boote auf dem Wasser, unzählige Segelschiffe, Ruderboote, Ausflugschiffe und Drachenboote tummelten sich auf dem Nordteil des Sees, alle mehr oder weniger kunstfertig beleuchtet, wir beließen es bei einer Anstandsleuchte vorne oder hinten. Gegen 22 Uhr gab es ein gigantisches Feuerwerk, welches wir von der Pole-Position mitten auf dem See bestaunten, ganz in Trance paddelte ich so weit vor, bis mich ein Feuerwehrboot wieder zurückpfiff. Also als alter Pyromane wird das sicher nicht das letzte Feuerwerk auf dem See.

Dann ging es weiter am Ufer entlang zur Quelle, auch hier wurde wieder Gersten- bzw. Weizenkaltschale gefaßt und dann schritt man zum Einsetzsteg. Alle setzten ihre Boote ohne größere Probleme ein...alle?....nein, diesmal hatten wir ein Kenteropfer zu beklagen, der liebe Stefan B. hatte eine halbe Nachtkenterrolle gedreht, da war wohl ein kleiner Ast im Weg und die Reaktion wohl auch nicht (mehr) die beste. Also verzögerte sich unser Aufbruch um eine knappe Viertelstunde, eine Lederhose wird Stefan wohl auch nicht mehr zum Paddeln anziehen, gelle? ;-)

Der Rest der Fahrt verlief wieder planmäßig, über den Landtag ging es wieder zurück zum Verein, diesmal kam es mir etwas heller vor, hatte ich etwa eine Erleuchtung? Gegen 1 Uhr kehrten wir dann müde und zufrieden wieder zum Verein zurück und schliefen diese Nacht sicher gut. Für mich war die Nacht schon um halb sechs wieder zu Ende, und so hole ich den Schlaf hier im Geschäft nach, in den Pausen schreibe ich diesen Text, was tue ich nicht alle für Euch ? ;-)

Jo K.