hrtbericht (Hann. Münden-Höxter)

Tausche Sonnenbrille gegen Schneebrille

Weser-Hochwasser-Fahrtbericht (Hann. Münden-Höxter) von Joachim Kaiser

Das Duo infernale Micha und Jo huldigt Weserius Pegelmaximus (Gott des Weser-Hochwassers)...

...(doch am Sonntag, den 25.3.2001 war dieser der ewigen Schleimerei leid und hat uns mit Hilfe seiner Schergen 'Schneeregentus Imüberflus' und 'Gegenwindos Endlos' aus seinem Herrschaftsbereich vertrieben).

Tja, so schnell kann aus einer gemütlichen 6-Tages-Tour ein 2-Tages-Himmelsfahrtkommando werden, wobei ja am ersten Tag auf der ersten Etappe von Hann.-Münden nach Karlshafen durchaus noch eine 'Micha und Jo - nicht ist unmöglich'-Stimmung vorherrschte, die dann erst am Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes 'rundumertränkt' wurde.

Die geplante Fahrt von Hann.-Münden nach Hannover über die Weser und den Mittelandkanal ist ja so eine Weinidee, die während/nach dem Genuß einer? Flasche gutem badischem Roten beim Blättern im DKV'schen Wanderschinken entstand. Das war gegen Ende 2000 und so setzte ich diese 270km-Tour , aufgeteilt in 50km-Weser- und 35km MLK-Häppchen in die letzte Märzwoche, was sich auch mit Herrn 'Resturlaubus Dringendnehmenmus' Ansinnen bestens vertrug.

Gesagt, getan, eine Woche vorher rief ich exakt 3 Ruder/Kanu-Vereine entlang der Route an, die jeweils ins 50 km Raster paßten, Bodenwerder, Rinteln und Minden und bekam auch sofort positive Zusagen (wer konnte ahnen, daß wir genau 0 Prozent von diesen erreichten?). Die erste und die letzte Etappe überließ ich den Händen des Zufalls.

Am Montag vor der Abfahrt holte ich in einer Blitzaktion meinen knallroten PE-Flitzer Prijon 'Pinot Noir' Kodiak aus Aachen ab, beim Genuß einer Weinkaltschale dieser Rebsorte wurde ja auch die Idee zu dieser Tour geboren. Es blieben nur noch ein paar Tage für Erprobungsfahrten (Sarstedt und Maschsee) doch hier zeigte sich seine hohe Begabung für diese Gepäcktour, zwar deutlich kippliger als mein guter alter? Dionysos, aber dafür noch einen Tick schneller (vor allem mit Gepäck vollgepfropft, wie sich später zeigte).

Doch eins nach dem anderen, gehen wir mal chronologisch vor.

Samstag, 24.3. (Hann.-Münden -> Bad Karlshafen)

Gegen 5 Uhr hob ich mein Haupt aus meiner Bettstatt, erstaunlich erfrischt für eine doch deutlich verkürzte Nacht, aber der Endorphin-Schub, der bald in Hinsicht auf die bevorstehenden Ereignisse einsetzte, tat ebenso seine Wirkung wie die Kanne Darjeelingfirstflushfirsttippygoldenfloweryorangepekoe [tm], die ich mir als letztes Zugeständnis an die Zivilisation nach allen Regeln der Teekunst zubereitete und leerschlürfte.

Gegen viertel vor 6 rief ich Micha an, der wartete wohl schon neben dem Telefon, ging sofort 'ran und teilte mir mit, daß er mit dem Fahrrad zum Verein käme, ich mich also nicht in die List bemühen müßte. Nundenn, nach einem skeptischen Blick auf den sorgsam verpackten Gepäckberg (brauche ich das wirklich alles?) lud ich denselben ins Auto und fuhr gen KSC, wo ich auch zeitgleich mit Micha eintraf.

In rekordverdächtigem Tempo hatten wir unsere Siebensachen im, und unsere 5-Meter+-Schlachtschiffe aufs Auto verladen, der Umstand, daß es einmal nicht regnete, ja nicht einmal andeutungsweise Regenwolken zu erblicken waren, kam uns dabei äußerst entgegen. Nach einem letzten 'Bloß-nix-wichtiges-Vergessen'-Blick ging es dann gegen 7.15 Uhr Richtung A7, bloß schnell weg vom allmächtigen CeBIT-Sog.

Das Wetter besserte sich zusehends, auch die Temperatur stieg bei Göttingen auf schweißtreibende 10°C, doch dunkle Wolken bei der Abfahrt ins Wesertal ließen schon Ungutes erahnen, und so erblickten wir zeitgleich mit der Werra dicke Regentropfen, die an unser Fenster klopfen. Die Werra war schon so breit wie die Weser normalerweise und ganzflächig mit Treibgut bedeckt, das ließ ja schon mal auf eine erlebnisreiche Fahrt hoffen

Direkt in Hann.-Münden am der Einsatzstelle regnete es dann Bindfäden und nach einer kurzen Gnadenfrist hieß es dann: 'Jetzt oder nie!'. Also die Boote vom Dach gewuchtet und mit dem Beladen begonnen. Da wir das vorher nicht geprobt hatten, waren von meiner Seite einige Kompromisse einzugehen, der eine oder andere unnötige Kruscht wurde gnadenlos ins Auto zurückgefeuert und der Rest neu koordiniert. Getreu dem Motto: 'Schwerer können DIE ja während der Reise nicht werden' fand dann auch noch die letzte Weinflasche ihre letzte Ruhestätte und mit letzter Kraft schaffte ich es, beide Lukendeckel zu schließen.

Mit uns setzten ein paar Paddel-Veteranen ein, die Boote kiloweise mit Aufklebern bedeckt. Wir kamen ins Gespräch, die wollten gleich nach Höxter düsen, 'bei DER Strömung sei das überhaupt kein Problem'. Nundenn, wir ließen sie ziehen und wuchteten mit vereinten Kräften unsere Frachtkähne ans Ufer und legten ab. Erleichtert stellte ich fest, daß Pinot Noir trotz Maximalbeladung noch schwamm und nachdem ich die Nase in die Strömung gedreht hatte, ging es mit ziemlich mulmigen Gefühl im Bauch los. Da hinten (weserabwärts) schien es ja hell zu werden, eine Fata Morgana, die uns die ganze (Rest)fahrt in trügerischer Hoffnung wiegen sollte. Doch heute erwies es sich noch als zutreffend.

Doch sehr schnell merkte ich, daß mein Boot beladen wesentlich ruhiger im Wasser lag, als solo ohne Gepäck, und auch der Blick zu Micha ließ eine große Erleichterung erkennen. Kurz hinter Münden hatten wir dann unseren Rhythmus gefunden und umschifften, so gut es ging, das ganze Treibgut, daß sich auch auf die Reise gemacht hatte. Nach 5 Kilometern hätten wir sicher ein Auto neu besohlen können. Der Pegel lag bei ca. 3.60 m, also war schon dreimal so hoch wie 'normal'. Trotzdem fühlten wir uns sehr sicher, auch die unzähligen Aufpilzungen und Strudel hatten wir mit der 'Vollgas-und durch'-Taktik schnell im Griff. Trotzdem war der Schrecken immer wieder groß, wenn so ein Wasserschwall halbmeterhoch vor einem aus dem Wasser sprudelte.

Das Wetter besserte sich zusehends, nach ca. 10 km konnte ich es erstmal wagen, die Regenkapuze abzunehmen, und bei Bursfelde brach sogar einmal für 5 Minuten die Sonne durch und brannte auf unseren Wachs-Nacken. Die Strömung war sehr stark, trotzdem hatte man das Gefühl, kaum vorwärts zu kommen, da der andere immer ungefähr gleich schnell war und man den Blick immer nach vorne gerichtet hatte, um nicht unliebsame Begegnungen mit Baumstämmen zu riskieren. Dennoch rasten die Kilometer-Pfosten am Ufer im Eiltempo vorbei und nach 1 Stunde hatten wir schon über 12 km hinter uns gebracht.

Die Fahrt selber war an diesem Tag ein Vergnügen, kaum Wind, der Regen ließ später ganz nach, die Temperaturen bewegten sich um die 8-10°C, (meinem) Paddeloptimum. Die Orte und die Berge zogen im Zeitraffer an uns vorbei, unzählige 'Gefiederständer' waren zu beobachten, mehr oder weniger scheu. Menschliche Begleitung hatten wir nicht auf dem Wasser, wen wunderts. Micha hatte im Aufbruchstrubel vergessen, die Fußrasten von meiner auf seine Fahrwerksgröße einzustellen, also suchten wir nach einer Stelle zum landen. Gar nicht so einfach, denn entweder gab es eine Höllenströmung oder die Stelle war seicht und von allem möglichen Gerümpel bedeckt. Micha landete auf einer überfluteten Uferwiese, ich zog es vor im sicheren Boot zu bleiben.

Nach ca. 25 km beschlossen wir, in Ödelsheim eine Pause einzulegen, da wohl doch die eine oder andere Tasse Tee entsorgt werden wollte. Das Kaff liegt rechts an einer Rechtskurve, also führt die Strömung fast bis ans überschwemmte Ufer, in der Mitte führt noch eine Seilfähre über den Bach, gewürzt mit einer riesigen Warntafel 'Gefährliche Strömung an der Fähre, Sportfahrer in der Flußmitte halten, Lebensgefahr!'. Also bei Hochwasser gelten andere Gesetze, nach kurzer Besichtigung beschlossen wir also, kurz hinter der Fähre an einer Wiese bei einer überschwemmten Straße anzulegen.

Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie elegant man so ein Langboot wie meinen 5,20m-Spätburgunder manövrieren kann, wenn man kantet, leicht 'bogenschlägt' und vor allem die Strömung für sich arbeiten läßt. So verfuhr ich auch hier, an den Rand der Hauptströmung gefahren, Boot leicht nach links gekantet, kurzer energischer Bogenschlag links, dann geht alles blitzschnell, der Bug schneidet in die Ruhezone und die Strömung reisst einem das Heck herum, dann muss man aber schnell schauen, daß man aus der Verschneidungszone herauskommt. Denn da ist es sehr instabil und wenn man gar den Bug wieder in die Hauptströmung treiben lässt, dann fährt man ein ziemlich brutales Karussell (Salto brutale).

Soweit die Technik, der schönste Haken gen Ufer endete hier mal wieder sehr unbefriedigend, da ich anschließend auf einer flachen Wiese strandete, ca. 1.50 Meter vom Festland entfernt, und da ich keine Lust auf nasse Füße hatte, blieb ich auch hier im Boot, es waren ja auch erst 2 Stunden vergangen. Nach 15 Minuten ging es dann wieder los, Schnauze in die Strömung und nach 5 Sekunden war man auf Kurs mit voller Geschwindigkeit. Also ich fand das Fahren im Hochwasser genial, auch wenn man doch dazu neigt, die Gefahren doch etwas in den Hinterkopf zu verschieben; wenn das Wetter mitmacht, ist es ein kalkulierbares Risiko mit hohem Spaßfaktor.

So zogen wir dann auch unsere Bahnen flußabwärts, eine Weserschleife folgte auf die andere, gegen 15 Uhr erreichten wir Bad Karlshafen und beschlossen, hier unser Nachtquartier aufzuschlagen, wir wollten uns ja erst einmal warmpaddeln. Wer hätte gedacht, daß die schon die längste Passage auf dieser Tour war? Der Campingplatz lag genial in einer Innenkurve gegenüber, diesmal gelang es mir, mich auf der obligatorischen Schwemmwiese unter Aufbietung aller Kräfte die nette Frau an der Rezeption erwies uns die Ehre, auf einem Dauercamper-Platz zu campieren, die Wahl fiel auch nicht schwer, da die Zeltwiese unter Wasser lag :-) Wir waren wohl auch die ersten DKV-Gäste dieses Jahr: 'Ach die Marke ist dieses Jahr blau?'

Die Zelte waren schnell aufgebaut, der Krempel verstaut, die Boote wurden in die stabile Kopfüberlage gebracht, um eventuellen Regen am Eindringen zu hindern. Aber daran dachten wir an diesem Abend überhaupt nicht, es war relativ warm, so um die 8°C, zwar bedeckt, aber mit potentiellen Aufhellungen (Da hinten wird es hell, gell?..) So schlenderten wir noch ein bißchen durch Karlshafen, schleckten noch ein Eis (ich natürlich einen Schwarzwaldbecher, dessen Mangel an Kirschwasser hätte in Baden unabsehbare Folgen für den Wirt gehabt, aber im Ausland ist man ja nachsichtig ;-) Unsere Henkersmahlzeit nahmen wir in der Beize (Weser Oase) am Campingplatz ein, die unergründlichen Fügungen des Schicksals brachten es mit sich, daß ausgerechnet an diesem Abend das 'Ancampen' der Dauercamper (totlach) stattfand, vor den Kohorten der Plaste/Elaste-Jogginganzugträger und deren Rauchschwaden flohen wir dann gegen 20 Uhr ins Freie und süppelten noch eine Pulle von meinem roten Dornfelder (Pinot Noir möge mir ob dieser Blasphemie verzeihen) Gegen 9 Uhr verschwanden wir dann beide in unseren Zelten und fielen in einen süßen Schlaf.

Hiermit endet der gemütliche Teil der Reise, das unbeschwerte Gleiten durch die Weserwindungen, die Gewißheit, den lockeren Zeitplan einzuhalten und am Donnerstag in aller Ruhe beim KSC einzulaufen, denn es beginnt der:

Sonntag, 25.3. (Bad Karlshafen -> Notlandung in Höxter)

Irgendwann gegen 1 Uhr nachts wurde ich von einem penetranten Knistern geweckt, trotz vorsorglich angelegter Ohrstöpsel und anschließender Rekalibrierung derselben stand definitiv fest, daß ein ausgewachsener Platzregen über meinem Zelt niederprasselte, der dann auch im Verlauf der weiteren Nacht penetrant anhielt. So war dann auch der Begriff 'Nachtruhe' nur im übertragenen Sinn zu verstehen, die Erwartung auf einen Regentag und die damit verbundene innere Unruhe ließen den Restschlaf zum schweizer Käse werden. Und so brach der Tag an, und - es pisste weiter wie aus Kübeln. Es gibt wohl kaum ein besch...eideneres Gefühl, als morgens in Eiseskälte in seinem Schlafsack zu liegen und zu beten, das es endlich aufhört.

Aber es half nichts, gegen 8.30 Uhr (zum Überfluß wurde in dieser Nacht noch die Uhr vorgestellt..grrrr) vernahm ich Michas Stimme: 'Klopf, Klopf, hast Du schonmal 'rausgeschaut?' - 'Nein danke, mir ist schon schlecht'. Aber es half nichts, es wurde und wurde nicht besser und so packte ich alles im Zelt in vorsorglich mitgebrachte Müllsäcke ein, warf mich in meine Paddelkleidung (Micha reichte mir freundlicherweise die Paddelhose und -Jacke von draussen) und wagte den entscheidenden Schritt nach draussen.

Schietwetter vom Feinsten, anders ließ sich dieser Zustand nicht beschreiben, der Campingplatz eine einzige durchweichte Matschwiese, und wir mit unseren Nußschalen mittendrin. Es half nichts, in einem Anfall von verzweifelter Hyperaktivität verstaute ich alle meine Habseligkeiten im Boot, das völlig durchgeweichte Zelt packte ich in das Gepäcknetz und anschließend traf ich mich mit Micha zum Krisenrat unter dem Vordach vom Duschhaus. Da war guter Rat teuer, denn inzwischen hatte ein übler Schneematsch-Regen eingesetzt. Wir belästigten daraufhin ein paar verkaterte Dauercamper. um einen Wetterbericht zu erfragen, und immer hieß es: 'Heute nachmittag hört es auf/wird es besser'.

Ich bin mir jetzt im Nachhinein sicher, daß die uns 'Eindringlinge in ihr (Pseudo)Idyll schnellstmöglich loswerden wollten. Aber Scherz beiseite, tatsächlich war eine leichte Wetterbesserung zu erkennen, es schneite nicht mehr aus allen Rohren, es grieselte nur noch ein bißchen, also wagten wir das Ablegemanöver. Der Pegel war deutlich über die 4-Meter-Marke gestiegen, also die Marke, die ich mir als Grenzmarke für diese Tour gesetzt hatte, es waren um die 4,20, aber trotzdem war der Fluß verlockender, als noch eine Minute länger an Land zu verbringen, 'dahinten wurde es ja hell'.

So ließen wir uns dann auch von der heftigen Strömung mitreissen, ab sofort war höchste Konzentration beim Paddeln angesagt, denn die Hauptströmung war selten die optimale Route, da sie oft Richtung überschwemmte Wiesen samt Baumbestand führte, auch war die übersät von Treibgut, eine Kollision mit einem 2-Meter-Baumstamm wäre auf jeden Fall mit heftigen Unannehmlichkeiten (räusper) verbunden. Zu allem Überfluß wurden die Schnee/Graupelschauer immer stärker und ein heftiger eiskalter Gegenwind ließ die Sichtweite auf ein Minimum schwinden, man musste den Kopf extrem senken und/oder durch die halbgeschlossenen Wimpern blinzeln, um überhaupt noch was durch die heranprasselnden Schneeflocken, die mit Strömungs-, Paddel- und Gegenwindgeschwindigkeit einschlugen, zu sehen.

Im Ernst, ich hätte in diesem Moment alle meine Weinvorräte im Boot (wer mich kennt, weiß, das ist ein Maximalopfer ;-) für eine Skibrille gegeben. So glich es einer Höllenfahrt bei Maximalgeschwindigkeit bei minimaler Sicht, obwohl man gerade jetzt höllisch aufpassen mußte, wohin man fuhr. Sowas hatte ich (in abgemilderter Form) bisher nur auf einer Sarstedt-Leine-Fahrt erlebt, aber diesen Bach kenne ich ja auch fast auswendig. Zudem war es bei diesem Wasserstand kaum noch möglich, die Hauptströmung auszumachen, es rauschte fast auf Flußbreite über die Buhnen, Anleger und Landzungen hinweg und bildetet hier an manchen Stellen eine richtige Berg- und Tal Bahn, der Fluß hob sich um einen Meter und senkte sich wieder, das Ganze mehrfach hintereinander, begleitet von netten Strudeln und Knollenblätter-Aufpilzungen.

Es war wie im schlechte Film, wir versuchten, so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszukommen, ich verfiel dabei in einem Teilabschnitt in 'Kampf-Marathon-Trance' also fuhr mein maximales Dauertempo, wie auf der Sarstedt-Tour. Dabei zeigte es sich, das Pinot Noir doch wesentlich schneller als Dionysos ist, denn als ich mal eine kleine Pause einlegte, kam Micha von hinten angefahren und sagte, daß er dieses Tempo auf keinen Fall durchhalten könne. Ab da blieben wir zusammen wie Pech und Schwefel.

Die nächsten (restlichen) Kilometer waren ein einziger Kampf gegen die Elemente, kurz vor Höxter wurde es fast unerträglich, Strömung Richtung Norden, Wind und Schnee aus Norden, bei km 65 legten wir kurz in einer Rechtskurve an, um wenigstens ein paar Augenblicke dem Wind zu entfliehen. Wir saßen ungefähr 5 Minuten da, ohne ein Wort zu sagen, schließlich meinte Micha: 'Laß uns es wenigstens noch bis Höxter versuchen'. Und so zogen wir die letzten 3 km noch durch, nach einer ewigen Zeit tauchte dann rechts das Vereinshaus des WS Höxter wie eine Offenbarung auf. Mit letzter Energie landeten wir auf der obligatorischen Flutwiese, robbten uns ans Ufer, zerrten die Boote an Land und eilten ins Warme.

Dort pellten wir uns aus unseren Klamotten und begaben uns nach oben in die warme Stube, wo wir uns bei warmem Kaffee und kaltem Bier regenerierten und die obligatorische Befragung (Woher, Wohin, Warum) über uns ergehen ließen. Wir beschloßen auch sehr schnell, diese nacht hier zu verbringen, ein kurzer Anruf in Bodenwerder zwecks Absage der momentan unerreichbaren nächsten Unterkunft war dann nur noch eine Formsache, unsere Zimmer wurden geheizt und bezogen. Ich schwor mir, die Fahrt am nächsten Tag abzubrechen, sollte auch nur eine Schneeflocke oder Regentropfen zu sehen sein, an das Hochwasser dachte ich in dem Moment gar nicht, irgendwie hatte man sich daran gewöhnt und wir wären mit großer Sicherheit weitergefahren, wenn sich das Wetter signifikant stabilisiert hätte.

Montag, 26.3. (Höxter -> Hann.-Münden ->Höxter)

Doch diese Entscheidung wurde uns am nächsten Tag sehr leicht gemacht, denn das Wetter war gleich geblieben, Schneeschauer fast waagrecht zur Strömung, dazu war der Pegel auf 4,70 Meter gestiegen, hier gab es keinen Spielraum mehr, mit enormer Geschwindigkeit rasten die Baumstämme am Vereinshaus vorbei, wenn man sich das aus der Ferne ansah, dann wunderte man sich, wie man da überhaupt fahren konnte.

Anhand einiger Fotos versuchten wir, den normalen Verlauf der Weser nachzuvollziehen, aber es fiel sehr schwer, der Bach war mindestens dreimal so breit wie normal. Also fuhren wir wieder Richtung Hann.-Münden, als erfahrene Kehrwasserfahrer sollte das doch eine leichte Übung sein ;-) Nein, wir fuhren natürlich mit das Bähnche, nach einer Odyssee von über 2 Stunden und zweimal umsteigen erreichten wir wieder unsere Einsatzstelle. Also von hier oben sah alles nicht so wild aus, die Brühe verteilte sich einfach optisch besser, aber statt weiter unseren Schutzgeist zu ärgern, enterten wir lieber eine Döner-Bude.

Gemütlich ging es zurück, noch mal am Campingplatz in Karlshafen vorbei, hier waren inzwischen alle Wohnwagen nachts aus der Uferzone weggezogen worden, aber das Wasser war wieder leicht am Fallen. Erfreut nahm die Dame am Empfang die Platzmarke entgegen, die ich am Sonntag mitgenommen hatte, es fiel mir zwar da schon auf, aber ich hatte sie irgendwo ganz tief im Boot versenkt und absolut keinen Nerv, da noch mal 'rumzukramen.

Abends hingen wir dann in Höxter ab, der Wetterbericht versprach eine eiskalte Nacht und: ja, richtig gehört, SONNE! Darauf hin vernichteten wir einen erheblichen Teil meiner restlichen Weinvorräte, also für 6 Tage hätten die nie gereicht ;*) Ganz nebenbei richtete ich noch den E-Mail-Account von Dirk, dem netten Bootshauswart ein, jetzt braucht er nur noch die streng geheimen Zugangsdaten von seinem Provider eintragen, dann ist der WS Höxter auch per E-Mail erreichbar. Und die Homepage ist dann auch nur noch eine Frage der Zeit, gell? ;-)

Dienstag, 27.3 (Höxter -> KSC)

Tja, nun war der Tag der Abreise gekommen, wir machten uns noch über das Frühstücksbuffet des Stadthotels her, dann wurden die Siebensachen gepackt, verladen und ab ging es. Wir machten noch einen Quick-Scan in Bodenwerder, unserer geplanten nächsten Station, und auch hier war Land unter, also rechts am Ufer überhaupt keine Struktur zu erkennen. In Hameln besichtigten wir das Wehr und , dafür mußten wir ein Formular unterschreiben, im Falle eines Reinfallens die Stadt Hameln nicht zu belasten, sondern uns erst in Rinteln 'rauszerren zu lassen (oder so ähnlich), die Bootsgasse war völlig überflutet und hinter dem Wehr brodelte es wie ein Hexenkessel, wir hätte also theoretisch durch die Großschleuse gemusst.

Aber nicht an dem Tag, wir zuckelten gemütlich gen Hannover, besichtigten noch das Wolle-Wehr, wir verzichteten daraufhin gerne auf eine Befahrung am Donnerstag, es war wirklich wie verhext. Beim Verein war Ralf am Basteln, auch er schien irgendwie erleichtert, uns wieder zusehen. Michas Gepäck wurde noch in Ralfs Auto umgeladen und dann zogen beide von dannen, ich blieb noch eine Stunde im Verein und ließ alles in Ruhe ausklingen

Fazit: Es war eine lehrreiche Fahrt, so ein vollbeladenes Boot durchs Hochwasser zu treiben, das Hochwasser alleine wäre sicher kein Problem (jedenfalls bis 4 Meter), aber wenn dann noch Wind und Schnee dazukommen, dann wird es selbst mir zu extrem. Aber die Fahrt wird selbstverständlich wiederholt, aber nur, wenn eine stabile Hochwetterlage in Aussicht ist, in der prallen Sonne fahre ich zwar auch ungern, aber im Dauerregen noch ungerner. Und die Strecke Hann.-Münden ->Hameln wird meine neue 'Hausstrecke' ich versuche, diese einmal im Monat zu fahren. Mit Station auf halber Strecke in Höxter, habe sogar schon die Zugverbindungen von Hameln nach Hann.-Münden herausgesucht, dauert kaum länger als Höxter ->Münden.

So und jetzt macher mer Schluss, sonst geht der Speicherplatz für die Homepage noch Zuende ;-)

Euer Jo & i.A. Micha