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Weserberglandrallye

Sonntag um 5.30 Uhr wurde ich (wie immer) von meinem Wecker aus den süßen Träumen gerissen, doch heute sollte es ja auf große Fahrt gehen. Hameln nach Rinteln war angesagt, nach dem etwas peinlichen Wesermarathon, wo es nichtmal für Bronze reichte (an mir lag es nicht, aber die Logistik ließ es an diesem Termin nicht anders zu), hieß es diesmal: alles oder nichts. So schlug ich dann auch um 6.15 Uhr beim Verein auf, hier war schon alles versammelt, was Rang und Damen hat, nur Uwe und Martina waren ja schon am Tag vorher nach Minden gestartet, der Rest hatte alle seine Energien für diesen Tag aufgespart.

Ich und Manuel wollten ja die Goldstrecke (65km) durchziehen, und so warfen wir meine beiden Flitzer aufs Dach und fuhren gen Hameln. Das Wetter war optimal, 15°C, kaum Wolken und ein (noch) leichter Westwind. Auf dem Parkplatz bei Hameln herrschte schon emsiges Treiben, aber wir waren noch ziemlich früh dran, nach einigen organisatorischen Verwirrungen: 'Startkarten gibts am Ziel' warfen wir uns um 7.50 Uhr in die Fluten. Die Strömung war kräftig, Manuel und ich legten uns auch mächtig ins Zeug, nach 5 km waren wir aufgewärmt und hatten unseren Rhythmus gefunden und so ging es im Affenzahn Richtung Rinteln. Man merkte schon, daß hier die ehrgeizige Fraktion unterwegs war auf der Goldstrecke, wir wurden von etlichen Kampfzweiern und Rennbooten überrundet und auch der eine oder andere Normalwanderbootfahrer ließ die Paddel krachen, als ob der Leibhaftige hinter ihm her wäre.

Wir ließen uns ein bisschen vom Rennvirus infizieren und erreichten nach ca. 2 Stunden Rinteln, wir entschlossen uns dann doch, den Schwung auszunutzen und noch bis km 170, also knapp die Hälfte weiterzupaddeln. Kurz hinter Rinteln waren 3 verdächtige Umrisse auszumachen, und richtig, hier trafen wir auf Martina, Inge und Wolfgang, die kurz vorher eingesetzt hatten, nachdem einige Mißverständnisse über den Treffpunkt für eine kleine Verzögerung gesorgt hatten. Da diese sich noch in der Aufwärmphase befanden, zogen Manuel und ich nach 5 Minuten Smalltalk weiter. Bei km 168 warfen wir uns auf eine Wiese und stärkten uns und/oder ließen die vorbeiziehenden Paddelhorden auf uns wirken. Auch MaInWo zogen an uns vorbei, aber früher öder später würden sie ja auch eine Pause einlegen. Der Wind war inzwischen mächtig aufgefrischt, an der Weser natürlich in Form von Gegenwind, und so kam an manchen geraden Abschnitten richtig Seefeeling auf, die Wellen wurden zeitweise knapp meterhoch und das eine oder andere Motorboot erhöhte den Reiz noch zusätzlich.

Unsere Boote waren ja wie geschaffen für solche Bedingungen und so schnitten wir unermüdlich weiter Richtung Vlotho, an einer besonders langen Wellenstrecke trafen wir auch wieder auf unsere 3 Rintelner, diese hatten sich in eine Buhne gerettet und packten ihre dicken Vesperpakete aus. Wir hatten gerade angelegt, da kam Uwe angesaust, dieser hatte wohl kurz nach 8 in Hameln eingesetzt und uns knapp verfehlt. Wie dem auch sei, nach einer kurzen Beratungsphase setzen ich, Manuel und Uwe unsere Fahrt fort. Dann stach mich der Hafer und ich schaltete spontan, durch Wind und Wellen angespornt, in den Kampfmodus, die nächsten 10 km bis Vlotho gab ich alles, was ich geben konnte, vergaß die Umgebung um mich herum, nur noch mein Bug und die nächsten 50 Meter zählten. Der absolute Höhepunkt war ein Schaufelraddampfer, der die Weser auf 500 Metern in einen brodelnden Hexenkessel verwandelte, war wirklich eine gute Idee, die Spritzdecke mal zu schließen ;-)

Kaum hatte ich mich in Vlotho dann ausgepowert, da traf ich auf den bunten Rest der Truppe, die sich gerade auf den Weg machten, nachdem sie ihre verdiente Pause hinter sich gebracht hatten. Ich schloß mich ihnen an, und so ging es den Rest der Fahrt im gemütlichen Wandermodus Richtung Minden. Hier wurde auch klar, warum es Weserberglandrallye heißt, die Porta Westfalica war wirlich ein imposanter Einschitt mit mächtigen Bergzügen links und rechts. Kurz dahinter nahm auch die Paddlerdichte wieder zu, die Reise schien dem Ende entgegenzugehen. Da war auch schon ein riesiger Rummelplatz links vom Ufer auszumachen und ein Kanuknäuel rechts verriet dem geschulten Auge dann auch die Aussatzstelle. Nix wie raus und das Boot aus dem Weg geschafft. Hier nahm ich dann auch wieder feste Nahrung in Form von 4 Doppelfrischkäsebemmen zu mir, dann ging es zur Medaillenausgabe am anderen Ende des Platzes, dick mit Medaillen behängt schob ich mich dann erstmal zum Bierstand, mit knapp 1000 km um den Hals konnte ich mir schonmal ein kühles Blondes gönnen.

Manuel machte sich dann auf dem Weg zum Bus, der ihn zurück nach Hameln bringen sollte, ich machte mich auf dem Weg zurück zu den Anderen und verteilte die Medaillen. Die Fahrer machten sich dann auf den Weg, der Rest hing mehr oder weniger lethargisch herum und ließ sich die Fahrt nochmal durch den Kopf gehen. Dann wurden die Boote auf die Autos geladen und alle machten sich auf den Weg zum Grillstand. Alle? Nein, Manuel kam und kam nicht und so legte ich mich ins Gras neben meine zwei Boote und harrte der Dinge, die da kommen sollten oder auch nicht. Und nach endlos langer Zeit, die anderen waren auch schon wieder zurück von der Fütterung, kam auch Manuel an, der Bus hatte doch wohl ein klein bisschen länger gebraucht als angenommen.

Aber Manuel war es gewiß nicht langweilig geworden, denn er hatte als Sitznachbarn einen äußerst mitteilungswütigen Paddelkollegen, Wolf M. aus M., der ihm eine langatmige Kurzfassung seines bewegten Lebens aufs Ohr drückte. Und so wurden dann auch noch die Restboote aufgeladen und mit genießerischem/lethargischem Schweigen wurde dann die Rückfahrt angetreten. Auch der obligatorische Stau auf der B6 konnte uns nicht mehr aus der Ruhe bringen und so ging diese Fahrt dann gegen 19 Uhr zuende.

Es war eine klasse Fahrt, nur 65 km (fast) am Stück sind völlig ausreichend, mehr brauche ich nicht, der Genuß an der Landschaft bleibt sonst gänzlich auf der Strecke.

JOachim