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Amsterdam bei Nacht

Es ist Freitag 15:15 Uhr, wir starten Richtung Amsterdam zur "Intern. Grachtentochten ICF 2001". Kurz vor 20 Uhr kommen wir an, am Sloterplas, dem kleinen See am westlichen Stadtrand von Amsterdam. Der großen Kanadier von Marion und Georg, unseren Freunden vom WSV Wildeshausen, biegt auch gerade in die Parklücke ein. In Windeseile müssen die Zelte aufgestellt und ein angemessenes Stück Grund gesichert werden, denn die Wiese neben dem Wassersportverein Sloterplas füllt sich in rasendem Tempo mit Menschen und Zelten. Deutsch hört man vor allem, auch Niederländisch und gelegentlich Englisch. Nachdem Tarp, Klapptisch und Stühle, Salat, Frikadellen und Rotwein halbtrockene Gemütlichkeit garantieren, beginnt ein schöner Abend auf einer von Zelten mittlerweile fast lückenlos bedeckten Wiese, mit etlichen Paddlern und dennoch angenehmer Ruhe und bester Stimmung.

Samstag Morgen - Frühstück - Aufbruch, Straßenbahn bis in die Innenstadt von Amsterdam - Anne Frank Haus besichtigen - durch viele schöne Straßen laufen - überreichlich essen - wieder, nun langsamer, durch viele schöne Straßen - den Blumencorso mit vielen phantasievollen Fahrzeugen und zauberhaften Blumenarrangements noch mitnehmen - endlich zurückfahren und sich auf den Abend freuen.

Der Abend beginnt um 19:30 Uhr mit dem Einstieg in die Boote. Es folgen drei Kilometer nicht sehr interessante Strecke zu einer Schleuse, wo es gilt, eine mindestens einen halben Meter hohe senkrechte Wand beim Aussteigen aus dem Boot zu überwinden. Kurzes Umtragen, Wiedereinstieg und nun geht es unaufhaltsam Richtung Zentrum. Es wird dunkel, die vorgeschriebenen Lichter auf den Kanus und Kanadiern gehen an und das schöne Zentrum von Amsterdam ist erreicht, kreuz und quer geht es durch viele Grachten. Ohne die perfekte Organisation mit Streckenposten an allen Verzweigungen wäre man in diesem Labyrinth verloren. Der anstrengende Vormittag hat sich gelohnt, denn noch einmal, nun allerdings mit ganz veränderter Perspektive, geht es durch die Straßen/Grachten auf denen wir morgens gelaufen sind. Nun werden sie vom Licht der kleinen Laternen nur spärlich beleuchtet. Stets muss man dabei ein halbes Auge auf dem Wasser haben, denn die Grachten sind zuweilen schmal und wo sie breiter sind, teilt man sich das Wasser auch in der Nacht mit großen motorisierten Sightseeing Booten und Mietkähnen. Kirchen, Hafen, Rotlichtbezirk und Bahnhof ziehen vorbei, nach einer scharfen Rechtskurve steht plötzlich der Mond umrahmt von gespenstischen Wolken über der Altstadt. Unmerklich geht es auf verschlungenen Wegen zurück, bis grelles Licht die Schleuse und erneute Strapazen ankündigt. Bei Sternenhimmel nimmt die 22 km lange Tour um 23:30 für uns auf dem Sloterplas ihr Ende. Längst sind wir nicht die letzten. Während wir bei den von den holländischen Veranstaltern gereichten leckeren Hamburgern und Bier den Abend ausklingen lassen kommen noch lange die Canadier, Kajaks und Drachenboote vom Wasser.

Die Fahrt findet jährlich statt, sie ist uneingeschränkt zu empfehlen. Das Startgeld von DM 17.50 p.P. lohnt sich. Den Ausrichtenden gebührt große Anerkennung für die freundliche Atmosphäre und die exzellente Organisation. Am Sonntag um 10:00 Uhr besteht die Möglichkeit eine Tagestour von 30 Kilometern durch Amsterdam zu machen. Nach unserem Eindruck fühlten sich dazu nur wenige berufen. Das individuelle Befahren der Grachten ist auch im übrigen Jahr gestattet. Der gastgebende Verein ist bereit, auf Anfrage Führungen für Gruppen durch die Grachten zu machen. Der KSC sollte das in Erinnerung behalten.

Matthias H.