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Höllenritt? - Canadierglück? (Fahrtenleiter -Fahrtenleider)

Herbst-Leinefahrt


Es geschah auf einer Vorstandssitzung, als ich mich freimüssig zum Fahrtenleiter für die Leine-Herbstfahrt erklärte. Nundenn, eine Woche später entdeckte ich eine Ausschreibung am schwarzen Brett, der ich entnahm, daß die Fahrt von Salzderhelden nach Freden gehen sollte. Da ich bisher nie weiter als bis Gronau gekommen war, kannte ich weder die Einsatz- noch die Aussatzstelle, von der Strecke selber natürlich ganz zu schweigen. Ich war also für meine Aufgabe als Fahrtenleiter suboptimal qualifiziert. Um mir keine Blöße zu geben, ordnete ich sofort eine Verlängerung der Strecke bis Alfeld an, das wären dann 30 km, eine Entfernung mit der man durchaus leben konnte. In einem Anfall von Größenwahn verordnete ich mir einen intravenösen Canadier-Crashkurs, denn mit Ernst zusammen wollte ich diese Strecke in seinem Sundowner zurücklegen, wenn schon - denn schon. Rauf auf den Bock und Gas geben, das war für mich schon immer die effektivste Lehrmethode.

So versammelte man (m.W., Ernst, Uwe, Inge, Manfred, Gabi, Sanne) sich am Sonntag, den 14. Oktober ein abenteuerliches Häufchen, und belud die Autos. Das Wetter versprach viel Sonne und ehe man es sich versah, waren wir auch schon in Salzderhelden unter einer Betonbrücke hinter dem Sperrwerk, unserer designierten Einsatzstelle. Also hatte ich mit Uwes Unterstützung meine erste Aufgabe als Fahrtenleiter bravourös gemeistert. Doch da lag an der Böschung schon meine nächste Herausforderung, das Hoppe'sche Canadier-Ungetüm. Die Einsatzstelle hatte es schon wirklich in sich, es galt eine schlammbedeckte Böschung in einen schmalen Graben einzusetzen. Irgendwie schaffte ich es, mich auf den Frontsitz zu bugsieren und während Ernst noch am Ufer hantierte und seinen eigenen Einstieg vornahm, starb ich die ersten paar Tode. Mann, war das eine kipplige Angelegenheit ganz da vorne, so hoch und ungeschützt, da halfen auch Ernsts warme Worte, in Fahrt würde die Stabilität ins Unendliche steigen, nicht viel.

Auch die anderen hatten ihre liebe Mühe beim Einstieg, wie ich noch am Rande mitbekam, aber ich hoffe auf Euer Verständnis, wenn ich mich auf die 2 Meter vor mir konzentriere. Die ersten Meter dienten der Grobkoordination und dem Verteilen der Arme. Nach dem ersten Kilometer war das Schlimmste überstanden, es stellte sich sowas wie eine Rudimentär-Koordination ein, ich wagte sogar die ersten Blicke auf die Natur. Ernst gab seine präzisen Kommandos und ich gehorchte bedingungslos, jedenfalls die ersten Kilometer. Nach ca. 3 Km vernahm man ein verdächtiges Rauschen, der Zug entpuppte sich als ein schlecht einzusehender Schwall in einer Kurve. Die anderen hatten wir abgehängt, wie ich jetzt feststellte, und so legten wir links an, und Ernst stieg aus, um die Stelle zu begutachten. 'Links geht's einigermaßen', war sein fachkundiges Urteil, weniger professionell verlief der Wiedereinstieg, ein vermeintlich festes Stück Boden entpuppte sich als sehr fußdurchlässig, so gab es kalte Füße und heiße Brennessel-Arme.

Gekonnt wurde gewendet und ordentlich Schwung geholt, todesmutig stürzten wir an der geplanten Stelle den Schwall herab, wo ich sonst fast 3 Meter Boot als Puffer vor mir habe, sah ich mich direkt mit den Wellen konfrontiert, ca. 20 Liter sorgten für eine kompromißlose Erfrischung. Meine sonstigen Reflexe, mich bei kritischen Situationen mit den Schenkeln und Füßen festzukrallen, verliefen hier erfolglos, und so kam die Fuhre mächtig ins Zittern, aber nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei und erste Glücksgefühle stellten sich ein. So ging es dann hochmotiviert weiter, wir kamen immer besser in Schwung, von wegen lahmer Canadier, wir setzten uns deutlich vom Hauptfeld ab. Nach 10 km erreichten wir das erste Wehr, stolze 10 km, als ein Drittel hatten wir geschafft, und wo ich die ersten Kilometer nicht wußte, ob ich es überhaupt hierher schaffen würde, so stellte sich jetzt eine gewisse Zuversicht ein, trotz einer kleinen Blase am rechten Mittelfinger.

Die Pause verbrachte man nahrungsaufnehmend bei strahlender Sonne, die Lästerer unter uns hatten auch Gelegenheit, ihrem Laster zu frönen, ein paar Paddelkollegen aus Freden war der Kontakt mit der Botanik beim Einsteigen auch nicht erspart geblieben. So verging die Pause im Flug und schon saßen wir wieder im Boot und genossen die Weiterfahrt nach Freden. Doch erst einmal galt es, eine Untiefe direkt hinter dem Wehr zu umschiffen, es half nix, wir holten und beide nasse Füße beim notwendigen Verlassen des Dickschiffs. Die ganz große Bewährungsprobe folgte dann kurz danach, Sanne, die die Vorhut spielte, stoppte vor einer Kurve und kehrte um. Seeehr verdächtig....ganz langsam pirschten wir uns heran, da stand der Pfeiler einer Brücke mitten im Bach und dahinter rauschte ein Großkaliber-Schwall. Nach einer kurzen Beratung entschlossen wir uns für links und rauschten an Sanne mit einem Kriegschrei vorbei in die Fluten. Die Wellen wurden größer und größer, zu spät - es gab kein zurück mehr, der Hengst bockte und schüttelte sich, doch die Reiter hielten sich mit letzter Kraft an der Mähne fest, mindestens 2 Eimer Wasser gingen auf den Frontmann nieder, nach 50 Metern war dann die Fuhre wieder unter Kontrolle.

Also das war definitiv eine Grenzbefahrung gewesen, jedenfalls für dieses Schiff mit dieser Beladung, gut, diese Erfahrung gleich bei der ersten Fahrt gemacht zu haben. Vielleicht wäre es rechts doch besser gewesen, auf jeden Fall hatten wir etwas zu wenig Speed drauf, das passiert mir nicht noch mal, aber vielleicht hätten wir doch erstmal die Lage sondieren sollen... Egal, jetzt war erstmal lenzen angesagt, unzählige Male wurde die Organische Hilfslenzpumpe (Schwamm) eingetaucht und wieder ausgewrungen, Ernst hielt derweil die Geschwindigkeit aufrecht (Eigentlich machte er das alleine auch ganz gut ;-). So 3-4 km vor dem Wehr wurde die Strömung immer schwächer und tendierte schließlich gegen 0, da wurden die Arme schon ganz schön lang und immer wieder verfing sich lästiges Laub am Bug und musste von mir mühsam mit dem Paddel abgestreift werden. Da nahte auch schon Freden, ein verdächtiges Rauschen verriet dem Profi das Wehr, die im Führer empfohlene Aussatzstelle war nicht empfehlenswert, so suchten und fanden wir links vorm Wehr selber eine.

Auch hier verbrachten wir wieder eine gemütliche Viertelstunde, sogar Uwe befand das Wehr für im Prinzip unfahrbar, das will schon was heißen. Dann hier es wieder 'in See zu stechen', und das letzte Drittel paddelten wir ohne unfreiwillige Showeinlagen, einfach gemütlich von Kurve zu Kurve, so langsam stellte sich ein Teamgeist, also eine Gedankenverbindung ein, die eine unnötige (z.B. profane Paddelkommandos) Kommunikation unnötig machte. Und fast viel zu schnell waren wir such schon in Alfeld, wo in der Ferne fast schon kilometerweit ein riesiges 'ACHTUNG, WASSERFALL!'-Schild an die Auusatzstelle mahnte. Da war auch schon eine wunderbare Doppeltreppe auszumachen, und so gestaltete sich das Anlanden im Gegensatz zum Einsteigen eher unspektakulär. Die Fahrer erledigten ihren Job, und der Rest lümmelte sich ins Gras und genoß die letzten Sonnenstrahlen. Gabi zauberte noch einen Cappucino und so ging nach den üblichen Pack und Rückfahraktionen diese Fahrt zuende.

Mein Prinzip, einfach ins Boot setzen und lospaddeln, hat sich mal wieder bewährt, das wird sicher nicht meine letzte Fahrt im Canadier sein, es kann zwar meine (Ego)trips im Kajak nicht ersetzen, aber ergänzen, hat schon was sinnliches, so hoch oben auf dem Ross zu sitzen und alles unplugged mitzubekommen. Die äußeren Bedingungen waren ja hervorragend, aber bei Wind und Welle stelle ich mir das Ganze doch ein bißchen ungemütlich vor. Ein bißchen schade nur, daß doch so wenig KSC'ler mitgefahren sind, besser wir das Wetter die nächsten paar Monate nicht werden (im Sinne von warm und sonnig).

Meinen Job als Fahrtenleid..äh..leiter habe ich jedenfalls souverän erledigt:

(-: Man muss nichts wissen, nur einen wissen, der's weiß :-)

JOachim