asuren und Ermland (Polen)

Paddelwoche 2001 in Masuren und Ermland

Es ist der 4. Oktober 2001, 15 Uhr. Sechs Wanderboote liegen auf dem Rasen der Autobahnraststätte Garbsen an der A2. Daneben türmt sich Gepäck. Es dauert nur wenige Minuten bis zwei Fort Transit und ein Bootshänger aus Richtung Dortmund kommen. Zur freundlichen Begrüßung entsteigen Günther Fuhrmann, der zusammen mit seiner Frau Adela unsere Reise leitet, Sebastian, der uns die gesamte Zeit in Polen begleiten wird, zwei weitere polnische Fahrer und unsere Mitreisenden: Sibylle und Herbert, Clemens und Volker. Gepäck und unsere Boote sind schnell verladen und ab geht es Richtung Grenzübergang bei Frankfurt. Drei Stunden dauert es, bis ein roter Stempel unsere Pässe ziert und um 10 Uhr morgens kommen wir schließlich östlich von Olsztyn am Ortsrand von Biskupiec auf einem netten Bauernhof am Rande eines kleinen Wäldchens an. Zur Begrüßung gibt es Sekt und kräftigen Kaffee. Das Gepäck wird in zwei nagelneu wirkende, nett eingerichtete Ferienwohnungen für je sechs Personen gebracht. Nach kurzem Genießen des Ausblicks vom Balkon geht's für drei Stunden ins Bett. Dann warten schon Schnitzel, Kartoffeln, überaus leckerer Krautsalat und selbstgekochtes Obstkompott auf uns. Am freien Nachmittag sehen wir uns Biskupiec an. Das abendliche Gespräch bleibt kurz. Aber es ergibt sich noch, dass unsere Mitreisenden sehr nett sind und unser Durchschnittsalter irgendwo zwischen sechsundzwanzig und neunundsechzig liegt.

Frühstück 8 Uhr, große Körbe leckerster Brötchen, dazu Honig, selbstgemachte Marmeladen und jede Menge Aufschnitt. Das einzige Problem war, sich zu entscheiden. Brote schmieren, Ausrüstung in die Busse laden, 9 Uhr Abfahrt zur Einsatzstelle. In sechs Tagen wurden sechs Strecken zwischen 16 und 26 km gefahren. Die Strecken lagen vor allem in der Nähe von Olsztyn sowie nördlich und südlich von Mragowo. Alles war vertreten und wechselte sich ab: große Seen, kleine, mehr oder weniger stark fließende Strecken mit Schilf und Flüsse mit kleinen Stromschnellen und gelegentlichen Hindernissen. Bei praktisch durchgehendem Sonnenschein konnten wir im T-Shirt die mal spiegelglatten mal rauen Seen, die herrlich gefärbten Herbstwälder und die wenig besiedelte Landschaft genießen. Allen Touren waren mit Sorgfalt ausgewählt. Sie wurden von Günter, mit Säge bewaffnet, gekonnt geführt. Für jeden Teilnehmer war etwas dabei. So konnten Herbert und Sibylle in Wildwasserbooten bei Wind auf großen Seen überzeugen, während wir "Hannoveraner" in langen Tourenbooten bei Baumhindernissen und Stromschnellen gelegentlich gute Haltungsnoten erhielten. An jedem Zwischenstop und am Ziel standen, für alle Fälle, bereits Adela und Sebastian mit unseren Bussen. Das Nachfassen von Essen, Getränken oder Ausrüstung wäre jederzeit möglich gewesen, ebenso wie das vorzeitige Beenden der Tour, an dass allerdings niemand je dachte. Eingestreut in die Touren waren Adelas Überraschungen wie Lagerfeuer und Stockwurst zur Mittagspause und der unvergleichlich gute Kuchen und Kaffe irgendwo am Fluss. Die Touren wurden gewürzt durch das Besichtigen der am Wege liegenden sehenswerten polnischen Städte mit schönen Altstädten und Kirchen, durch den Besuch von Orgelkonzert, Wochenmarkt und ethnographischem Freilichtmuseum und vielem mehr. In der Summe war es ein absolut gelungener Mix zum Kennenlernen der Region vom Wasser und vom Lande aus. Je nach Zahl und Ausmaß der kulturellen Highlights und der Überraschungen war die Rückkehr "nach Hause", denn so konnte man sich angesichts der familiären Atmosphäre durchaus fühlen, zwischen 18:00 und 19:30 Uhr. Es folgte stets ein üppiges Abendessen bester polnischer Küche. Die vielen Eindrücke, ein "Spezial" mit mehr als 6% und ein Zubrowka führten trotz der gemütlichen und guter Stimmung und unserer netten Gruppe leider schnell zu starker Ermattung und einer Nachtruhe, die in der Regel vor 22 Uhr begann.

Die Tour fand ihren abschließenden Höhepunkt im Abschiedsabend mit üppigem Buffet. Drei exzellente polnische Musiker schafften es sogar, unsere Mannschaft weit länger als Mitternacht bei der Stange und am Tanzen zu halten. Der von Günter auf's Wesentliche reduzierte offizielle Teil bescherte jedem Teilnehmer ein kleines Bild mit masurischen Landschaften und rief in Erinnerung, dass es sich um eine Verbandsfahrt des DKV handelt.

Wir möchten hier ergänzen, dass diese Fahrt jährlich im Herbst (in der Regel zweimal) stattfindet und im DKV-Sportprogramm ausgeschrieben ist. Die normale Gruppengröße sind zwölf Leute. Aus unserer Sicht ist die Reise uneingeschränkt zu empfehlen, für Alte wie für Junge und auch für Alleinreisende. Sehr einseitige Fähigkeiten im Kanufahren, wie ausschließliche Orientierung auf Wildwasser oder Küste, könnten hinderlich sein. Für die Touren sind wohl kurze Wanderboote mit Steuer der beste Kompromiss. Der Preis für die Reise lag in diesem Jahr bei knapp über 900 DM. Der Gegenwert ist eine von allen Sorgen freie Reise, mit wunderschönen Tagestouren, mit kompletter und delikater Verpflegung, Logistik und einer gelungenen Mischung aus polnischer und deutscher Tourenbegleitung. Viele Kleinigkeiten (einfaches Tauschen von Geld, Briefmarken, das Vorstellen nationaler Köstlichkeiten und das Eingehen auf besondere Wünsche) unterstreichen die liebevolle Organisation dieser Fahrt. Informationen zu dieser Reise sind bei

Adela & Günter Fuhrmann
Am Dieken 76
59427 Unna - Massen
Tel.: 02303 / 333988

zu bekommen.

Wir möchten uns bei Adela und Günter Fuhrmann für ein besonderes Erlebnis herzlich bedanken und würden gerne in der einen oder anderen Art wiederkommen.

Für die sechs "Hannoveraner"

Matthias