böhmetour

Heidschnucken(muffel)tour

23 Paddler machen die Böhme ziemlich und (zumindest) eine Schnucke sehr unsicher

Spontan geplant, durch kompetente Fachkräfte vorbereitet, koordiniert, tatkräftig dann auch vor Ort unterstützt (Bild), von 23 hochmotivierten KSC'lern bei für die Jahreszeit optimalen Wetter durchgezogen, so kann man diese gelungene Fahrt einfach umschreiben.

Die Idee für diese Fahrt wurde im Sommer geboren, als ein Grüppchen KSC'ler die Böhme befuhr und sich zwangsläufig in den Kanu-Stau einreihen mußte, zur Hauptsaison sind ja Kohorten von mehr oder minder mit der hohen Kunst der Paddelfertigkeit versehenen Freizeitpaddler unterwegs, die dann regelmäßig in den Kurven, Prallhängen und sonstigen 'Nicht-geradeaus-Strecken' hängen, wobei manche sogar bei Letzterem ihre Schwierigkeit haben. Als Vollprofi (im Sinne von wenigstens die Grundtechniken beherrschend) heißt es dann: bremsen, großzügig umfahren und nix wie weg, was auf die Dauer den kontinuierlichen Paddelrhythmus aus dem Takt bringt.

'Also fahren wir eben im November, da hocken die Schönwetterpaddler vor der Glotze', beschloß dann spontan der hohe Rat in Form von, wenn ich mich recht entsinne, Helge. Gesagt, getan - kurz darauf hing am schwarzen Brett die Ausschreibung, die sich in Rekordzeit (eilig um eine Seite erweitert), mit sage und schreibe 23 Heidschnuckenpaddelwütigen, die dann auch alle (wohl auch Dank Matthias' restriktiver Anmeldestrategie) bei der Stange blieben.

3 Tage vorher rauschten geheimnisvolle Emails hin und her, es galt ja, eine kleine Überraschung für Uwe zu organisieren und so traf sich ein kleines verschwörerisches Grüppchen schon eine halbe Stunde vor der Meute, um Stephies Boot zu beladen und aufrecht auf Jo's grünem Hüpfer zu verzurren. Viertel nach 8 war der Platz vorm Verein mit Autos und Booten bedeckt und es bedurfte einiger Rechenvorgänge, bis alle Boote verstaut waren und die Umsetzfahrzeugkaravane stand.
(s. Bild, sorry für die Qualität, ich müßte es softwaretechnisch etwas 'erhellen'). Mehr oder weniger individualistisch ging es dann die A7 nordwärts, nach einem kleinen Schlenker auf einen auf der Kartenkopie falsch eingezeichneten Nachbarcampingplatz (als einzige, symbadische, kleine Schwäche in Matthias' ansonsten tadelloser Planung) erreichten wir den Campingplatz 'Böhmeschlucht an der malerischen Böhme.

Dort wurde unser Räuberlager neben dem Hoppe'schen Wohnwagen, der dort schon seit Donnerstag stand, errichtet. 2 Autos wurden schon nach Walsrode gebracht und gegen 11 Uhr machten wir uns dann auf den Weg nach Tetendorf, wo wir an der Straßenbrücke einsetzen wollten. Der erste flüchtige Blick auf den Bach verursachte bei mir schon leichte Zweifel, ob es vielleicht doch mal ausnahmsweise ein etwas kürzeres Boot hatte sein dürfen. Aber dafür war es jetzt zu spät und im nachhinein erwies es sich auch als unnötig.

So setzte dann eine ‚zuverlässig schnelle (1)' und eine ‚zuverlässig langsame' Gruppe (2) bei Tetendorf in die herbstliche Böhme ein. Nach den ersten wackligen Kurven stellte sich wieder die Kleinflußroutine ein, kanten bis kurz vorm Kippen, und sich nie zu weit in die Außenkurve treiben lassen, liebgewordene Routine. Die erste Gruppe legte dann auch einen guten Zahn vor, 2 mehr oder weniger verfallenen Wehre galt es hinabzuschrammen, aber auch hier gab es keine Ausfälle.

Vor dem dritten Wehr nach knapp 5 km setzten wir dann aus und beschlossen, hier die Aktion 'Uwes Geburtstags-event' zu starten, für das Geburtstagskind Uwe ein Tisch mit Kaffee, Kuchen und Sekt-Magnum eingedeckt (incl. weiße Spitzendecke), dank Matthias' ausgeklügelter Verzögerungstaktik (Tut mir ja echt leid, Leute, aber mittem Obalix kann icke nich so schnelle, wa...) erreichte uns die zweite slow-motion Gruppe gut 15 Minuten, nachdem wir die Tafel aufgebaut hatten. Wie erwartet fuhr Uwe das Wehr und die anderen schrappten natürlich hinterher, was bei den langen Lulatschbooten für unschöne Geräusche und die eine oder andere Schramme sorgte.

Nachdem man sich die Böschung hochgewuchtet hatte, gab der Pulk, der sich vor der Tafel aufgebaut hatte, das Spalier frei, Uwe wurde mit dem obligatorischen häppibörsdäi begrüßt und nahm sogleich Platz, Karin fand gegenüber auch ein Plätzchen. Unter vielen Dankesworten wurde eine große Thermoskanne Kaffee, eine Magnum Sekt und ein Käsekuchen vernichtet. Dermaßen beschwingt ging es dann weiter Richtung Campingplatz, es ging von Kurve zu Kurve, große Schwierigkeiten warne nicht mehr zu bewältigen, mein übermütiger Vorstoß wurde aber 3 km vor dem Ziel jäh durch einen Baumverhau gestoppt, unter unmenschlichen Bedingungen gelang mir der Aus- und Wiedereinstieg links, die restliche Truppe profitierte dann von meiner Fehlentscheidung und setzte rechts um.

Die restlichen paar Kilometer führten dann durch ein schönes Waldgebiet, der Ausstieg gestaltete sich als ein wenig adrenalinausstoßend, es galt, mitten in einem Schwall den Kahn zu drehen und rechts anzulegen, was aber ohne größere Probleme vonstatten ging. Dann begaben wir uns zum Räuberlager 500 Meter oberhalb der Aussatzstelle, die Vorsichtigen schleppten ihre Boote mit, die Zocker ließen sie am Wasser liegen. Oben setzten wir uns zusammen, mit Einsetzten der Dämmerung machten wir uns dann ein paar erste Gedanken um die 'slow motion Gruppe', ich setzte mich schonmal an die Aussetzstelle und genoß den Sonnenuntergang, dieser wurde dann noch schöner, als schemenhaft unsere Helden auf dem Wasser auftauchten, das Anlanden im Halbdunkeln war von sich entspannender Spannung geprägt.

So nahmen wir dann unseren Aperitif in der großen Runde auf dem Zeltplatz ein, etliche Flaschen mit mehr oder weinigem Inhalt kreisten und verdunsteten für die doch etwas tiefgründigen Temperaturen recht schnell. Den ganzen Tag war es bedeckt gewesen mit wenigen Aufklarungsversuchen, aber die Temperaturen waren deutlich über 10°C, was man auch daran erkannte, daß ich meine Paddeljacke erst um 12.30 Uhr anlegte, während wir an gedeckter Tafel auf Uwe & Co warteten.

Doch endlich kam der große Moment, die hungrige Meute betrat die heiligen Hallen und setzte sich erwartungsvoll an die beiden Tische. (Kurz bevor sich Stephie über die Dekoration hermachte (Foto) wurde eine Handvoll riesiger Schüsseln, angefüllt mit einer Hochzeitssuppe, aufgefahren, als Ei-Verächter hielt ich mich erstmal an meinem Weizenbier fest (Heiraten will ich eh nicht ;-), aber die Anderen ließen sich nicht lange bitten und hauten kräftig 'rein (was sich im Nachhinein bei manchem als Fehler erwies ;-). Dann wurde die Heidschnucke kredenzt, lange Platten mit zartesten Scheiben delikatester Schnucke war ein gefundenes Fressen für die Schnuckenmampfer. Die Platten wurden wie im Star-Trek Replikator nach Leerung wie von Zauberhand wieder aufgefüllt und bald war der Saal von genießerischem Schweigen erfüllt. Auch die Schnuckenmuffel kamen nicht zu kurz, sie schnuckelten an einer Gemüseplatte und am Salat, Schnucken unplugged sozusagen.

Nach der ?? Platte war dann auch der dehnbarste Magen an die Grenze des Fassungsvermögens angelangt und alles schrie erstmal nach einem Schnäpsle, ich erinnerte mich an meine sündhafte Jugendzeit und bestellte einen Ratzeputz, der alsbald nach Gesellschaft schrie und aller Guten Dinge sind ja bekanntlich 3..... Nundenn, recht früh machte sich unser Tisch auf den Weg zur Zeltstatt und nach einem geheuchelten Verdauungsspaziergang (ca. 5 Minuten) begab ich mich dann in meine Penntüte. Also als bekennender Früh_ins_Bett_geher und Abends_nicht_schwer_esser hatte ich so meine liebe Not mit der schweren Last und so gehörte diese Nacht nicht zu den ruhigsten aber ich war wohl nicht der Einzige, bei dem sich im Zelt ein schlafraubendes Schnuckengrummeln manifestierte.

So waren nur wenige Paddler am nächsten Morgen 100% faltenfrei, aber nach einem opulenten Frühstücksbüffet war der alte Kampfgeist wieder hergestellt und das Feldlager wurde in Rekordzeit abgebaut, Micha, der alte Schlingel wartete, bis alle anderen Zelte abgebaut waren, dann spekulierte er auf die freigewordenen Arbeitskräfte und die Rechnung ging dann sogar auf. So zerrten, zupften und pfriemelten 6! Mann an seinem Zelt herum und es zeigte sich mal wieder: Viele Köche verderben den Brei. Doch schließlich war man wieder auf dem Wasser, es ging mit Schwung und Elan die letzten 18 km nach Walsrode hinab, in Fallingbostel galt es, das Wehr zu umtragen, alle?....nein Ali und Uwe konnten es wieder mal nicht lassen. Manu blieb dann mit ihrer Steueranlage im Treibgut mitten im Bach hängen und mußte von Uwe befreit werden, das gleiche Schicksal ereilte dann kurze Zeit später Zoise, diesmal war ich der hilfreiche Engel in Rot. Hat meinen Vorbehalten gegenüber diesem labilen Hilfsmittel mal wieder Nahrung gegeben.

Das Wetter zeigte sich an diesem Tag von der etwas wolkigen Sorte und während die erste Powergruppe noch trockenen Fußes die Aussatzstelle in Walsrode erreichten, mußte sich die Luschigruppe J mit einigen Tropfen Dihydrogenmonoxid herumschlagen (s. auch www.dhmo.org ). Und während die Harrys schon die Wagen holten, sammelte sich der Rest vom Fest am romantischen Schulzentrum. Dann wurde mit der üblichen Professionalität das Material verrödelt und mit mehr oder weniger Umwegen (GPS - nix als mess ;-) erreichte man schon um 14.30 Uhr den Verein, wo dann noch diverse monetäre Transaktionen von Matthias souverän getätigt. Um 15 Uhr hatte sich dann der Schwarm verlaufen.

Resumee: s. 1. Absatz , aber einige Arme waren schon ziemlich schwer geworden, bei einer kleinen inoffiziellen Nachlese mit Helge und Zoise kamen wir zu der festen Überzeugung, daß bei einigen/vielen noch ein wenig Feintuning bei der Paddeltechnik notwendig ist, aber ansonsten eine gelungene Fahrt mit hohem Wiederholungsfaktor. Das Jahr ist ja noch lang

JOachim