flug auf der Alster

Steife Brise aus West - vorm Plöner See der große Test...

Kleiner Sonntagsausflug auf der Alster von Joachim Kaiser

...doch inzwischen bin ich seefest ;-). War mal wieder eine turbulente Fahrt am Sonntag auf der Außenalster in Hamburg, am Samstag regnete es wie aus Kübeln, auch der kluge Spruch: 'Wenn Dir in Hamburg das Wetter nicht gefällt, warte einen halben Tag' hatte an diesem Tag Urlaub. Doch am Sonntag war es zwar kühl, aber die Sonne wagte doch den Blick aus den Wolken und verdrängte diese im Verlauf des Vormittags ganz.

So wagte ich auch gegen 9 Uhr den Einstieg beim Alster Canoe Club und glitt unter den mißtrauischen Augen der Angler-Phalanx die Alster flußaufwärts. Da diese keine meßbare Stömung aufweist (ca 3-4 cm/s), erreichte ich die Schleuse 5 km entfernt ganz gemütlich in einer halben Stunde, noch ganz für mich alleine. Zurück fuhr ich die Seitenkanäle, die sich links und rechts verzweigen und nach ca. 1 km wieder in die Hauptalster münden und die typischen Vertreter des hanseatischen sozialen Wohnungsbaus umschließen.

Doch als ich gegen 10 Uhr meinen Bug aus einem dieser Kanäle stecken wollte, wurde ich von einem flußaufwärts rasenden Ruderboot 8er eindrücklich daran gehindert, und in dessen Gefolge kamen noch einmal 8 Boote ähnlichen Kalibers hinterher. Ich hielt mich also ganz rechts am Ufer und das war auch gut so, denn von da an ging es zu wie auf den Südschnellweg zur Rush-Hour, ein Boot folgte dem Anderen, vor den Brücken staute es sich gar, zum Glück waren die Bögen ganz rechts nie 'ruderkompatibel', so daß ich immer durchschlupfen konnte.

So erreichte ich das Nordufer der Außenalster und hier konnte man zuerst gar nicht das Südufer ausmachen, unzählige Segelboote kreuzten von einem Ufer ans andere. Nach einer kurzen meditativen Pause beschloß ich dann doch, auf dem rechten Ufer gen Süden zu paddeln, der Wind kam ja schwach aus Süd und die Wellen waren sehr dezent, etwa auf Maschsee-Niveau. Von meinen treuen Gefährten, den Ruderbooten begleitet, ab und zu eine Welle der begleitenden Schreihälse in ihren Motorbooten kreuzend, düste ich gen Süden, am Ufer stauten sich hier die Menschenmassen. An der Schleuse beim Jungfernstieg landete ich an und mahlzeitete einen dänischen Hot-Dog und 3 Kugeln Schokoeis (für DM 1,- je Kugel, da sage einer Hamburg wäre teuer, in Hannover kostet es ja inzwischen fast überall DM 1,20)

Gegen 13 Uhr kam dann der Zeitpunkt der Entscheidung, mache ich die Rundtour am Ostufer entlang oder nicht? Beim letzten (ersten) Mal hatte es mich ja ganz schön gezwirbelt, nur unter Aufbietung aller Energiereserven erreichte ich damals den rettenden Hafen nach 1 km (die einem vorkommen können wie 100 :-) Doch die Wellen waren heute nach wie vor auf Maschseeniveau, also zögerte ich nicht lange und fuhr los. Nach 200 Metern wußte ich auch, woher die ganzen Segelboote kamen, die hatten ihre Liegeplätze genau die nächsten 1000 Meter rechts am Ufer, so glich die folgende Etappe einem Segelboot-Slalom.

Nach ca 500 Metern kam, was kommen musste, der Wind drehte urplötzlich, kam vom Westen und frischte gewaltig auf, die Folge war ein deja-vu vom letzten Mal, nur daß er diesmal genau von der Seite kam, man also auf voller Breitseite von den Wellen erwischt und zielstrebig Richtung Ufer gedrückt wurde. Einige nicht ganz standfeste Jollen legten sich schonmal vorsorglich auf die Seite, andere suchten schnellstmöglich den sicheren Hafen auf, und ich mittendrin ;-) Es waren mal wieder lehrreiche 500 Meter zum rettenden Hafen vom Kanu-Verein Hamburg, die Bugwellen der Ausflugsdampfer kratzten deutlich an der 1-Meter-Marke. Dennoch fühlte ich mich in Pinot Noir deutlich sicherer als in Dionysos, bei solchen Bedingungen zählt eben jeder Zentimeter.

Ich hatte jedenfalls die Nase voll von dem ganzen Stress und begab mich in die ruhigen Seitenkanäle Richtung Stadtparksee. Hier wimmelte es von Leihbooten diverser Machart, seien es Ruderboote, Kanadier und Tretboote, die Besatzung mehr oder weniger bemüht, den eingeschlagenen Kurs zu halten. Zum Glück war ich noch deutlich wendiger als diese Zeitgenossen, trotz 5,20 Meter Kampflänge, ein paar Halbwüchsige versuchte gar, mich mit ihrem Tretboot zu rammen, sie lernten schnell, wieviel Wasser sich mit 2-3 Bogen-Spritz-Schlägen Richtung Störenfriede verteilen läßt ;-)

So erreichte ich im Getümmel den Stadtparksee, hier versammelte sich alles, was irgendwie schwimmen konnte, der absolute Overkill war eine Familie, Vater, Mutter & Kind im (mindestens Kevlar Hartschaum) Canadier, Mutti und Blag dick eingepackt und mit Schwimmwesten behangen, Vati hinten thronend, er bewegte die Fuhre mit einem Doppelpaddel langsam Richtung Seeausgang, zur Sicherheit hatte er einen Außenbord-Elektromotor (Edelstahl?) angebracht, als ich später auch den See verließ, saßen die Helden in einem Lokal, ungefähr 1 km von der Einsatzstelle entfernt und spülten sich ihre Buttercremetorte mit Kaffee hinunter. Vielleicht war die Batterie nicht geladen?

Auf jeden Fall war immer für Abwechslung gesorgt, ich rollte das Feld von hinten auf, nur einem Lettmann-Seekajak musste ich mich geschlagen geben, aber da wollte ich sowieso gerade eine Pause machen ;-) Ich traf auch einen Kollegen im gleichen Boot (Prijon Kodiak), nagelneu und vollausgestattet mit Steuer, Kompass usw., war seine erste Ausfahrt, also ich kann es irgendwie nicht verstehen, wieso man sich nicht wenigstens mal ohne Steueranlage an so ein Boot gewöhnt, sondern von Anfang an mit Steuer fährt, es geht wirklich auch ohne, wenn man leicht ankantet, aber jedem das Seine, mir kommt so ein Ding nur aufs Boot, wenn ich mal richtig aufs Meer fahre, und dann auch nur für den Notfall..

Ich fuhr dann nochmal gegen Nachmittag auf die (nördliche, schmalere) Außenalster und auch hier war die Hölle los, ich möchte nicht wissen, was sich da im Sommer abspielt. Eine Dame saß alleine in einem riesigen Canadier und wunderte sich, daß ihr Kahn mehr dem Wind als ihren Paddelschlägen gehorchte, ich zog dann auch wieder Richtung Einsatzsstelle zurück, die ich dann auch, dicht an der Mauer entlang tastend, erreichte.

Heute hatte ich alles abgefahren, was man in HH fahren kann, ca. 40 km, man hat wirklich alles, vom flachen Tümpel bis zur kochenden See, ich kann auf jedem Fall nur jedem raten, sich gut zu überlegen, die Außenalster zu umrunden, das Boot muß auf jeden Fall seetüchtig sein und man muss wenigstens das Maschsee-Sturm-Diplom in der Tasche haben. Aber ansonsten ist Hamburg bisher in meinen Augen die Paddel-Hauptstadt von Deutschland, mal sehen, ob Berlin das noch toppen kann (werde ich dieses Jahr noch testen)