Plön

Oster-Wintercamp in Plön

ca. 15 KSC'ler zittern sich tapfer übers Osterwochenende (Jo Kaiser)

Eigentlich fing alles damit an, daß die Weserfahrt Ende März schon ins Wasser fiel, zuviel Wasser in flüssiger Hochwasser-Form von unten, souverän ergänzt durch Schnee und Graupel von oben, ein gelungener 'All-Inclusive' Trip vom Feinsten, der Michael und mich schon nach knapp 70 km zur Aufgabe zwang.

Also schaufelte ich mir den österlichen Donnerstag bis Samstag frei, um bei strahlendem Sonnenschein eins meiner zwei Seekajäker ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich der Befahrung eines Sees zuzuführen. Und letztendlich konnte ich ja einen Teilerfolg erreichen. Mittwochs begab ich mich gleich nach der Arbeit zum Verein, um Michaels 'Poppi' samt einiger Packsäcke aufzuladen, dann fuhr ich gen Hamburg, wo sich ja 'Pinot Noir' im Weinladen von einem Freund von den letzten Alster-Abenteuern erholte, stilecht neben den Pinot-Noir-Kartons aufgebahrt. Schnell war er aufgeladen und weiter ging es in den Norden.

Die Bewölkung riß immer öfter auf und als ich gegen 17 Uhr den Campingplatz in Ruhleben bei Plön erreichte, hatte sich die Sonne die Aktienmehrheit erobert. Der erste Kontakt mit den Eingeborenen fand in Form des Charakterkopf- Campingwart (Typ: Knut Buttnase) statt, der mir nach leichten Verwirrungen (Hoppe aus Hannover hammer nich, Hoppe aus Seelze hammer woll) schließlich Einlaß gewährte und eine kleine Skizze mit dem Standplatz von Ernst & Christa. Von weitem sah ich schon den Wohnwagen blitzen, und groß war das Hallo, als ich den Caravan enterte.

Das Zelt war schnell aufgebaut und in einem Anfall von Weitsicht beschloß ich, es unter das Vorzelt von Ernst's Wohnwagen zu packen (mein 7.Sinn schlug mal wieder an...). Schnell ein Zeltaufbaubier genuckelt und dann beschloß ich nach einem kleinen Gang zum (großen Plöner) See: Nix wie drauf! Der See war spiegelglatt, ein grandioser Sonnenuntergang bahnte sich an, da war das Boot im Handumdrehen auf dem Wasser. Zügig glitt ich am Ufer entlang Richtung Bosau, nach 2 km stach mich dann der Hafer und ich zog quer über den See zur Prinzeninsel, es war traumhaft, immer dem Sonnenuntergang entgegen, später sah ich beim Blick auf die Karte, daß ich die tiefste Stelle des Sees (63m) überquert hatte.

Aber der See war wirklich wie ein Spiegel, sonst hätte ich mich wohl nicht alleine quer darüber gewagt. Weiter ging es an der Prinzeninsel vorbei Richtung Plön, durch die nahende Dunkelheit verkniff ich mir aber einen Abstecher dahin, sondern fuhr schräg an ein paar kleinen Inseln (Warder genannt) zur Bucht, wo die Schwentine in den See mündet. Ich fuhr die Schwentine ein Stück abwärts und wurde dann nach 300 Metern daran erinnert, daß das Paddeln gegen die Strömung bei niedrigem Wasserstand nicht gerade zu den Stärken von Pinot Noir gehört, also zog ich es vor, umzukehren und den Heimweg einzuschlagen. Am Ufer drängten sich ca. 50 Soldaten um eine Grillhütte, ihren Feierabend bei Bier und Bratwurst genießend.

So kehrte ich nach gut einer Stunde von diesem herrlichen 8-km-Trip zurück, hätte ich gewußt, das es meine letzte Fahrt auf demselben war, hätte ich sicher noch eine Stunde Nachtfahrt drangehängt. Den Abend verbrachten wir im 'Warmduschermodus in Hoppe'schen Wohnwagen, die Qualität von seinem Calvados und meinem Pinot Noir (diesmal in flüssiger Form) prühühü<hicks>fend. Die Nacht im Eiszelt war ein erfrischender Vorgeschmack auf die kommenden Tage.

Der nächste Tag begann frisch, aber noch relativ freundlich (alles im Vergleich gesehen), der Wind hatte aber deutlich aufgefrischt, der See war von 30-cm-Wellen bedeckt, der spontane Morgenausflug fiel also schon mal aus. Da kam auch schon der erste Schauer, und -schwupps- schon wieder saßen wir im Wohnwagen und frühstückten erstmal eine Runde. Gegen 10 Uhr beschlossen wir dann doch, vorsichtig die Boote aufzurüsten, und mal wenigstens ein bißchen am Ufer entlang zu kreuzen, alle 5 Minuten kam ja eine Sonnenlücke. Ich bin zur Not ja in 2 Minuten seefertig, aber Ernst's Luxus-Canadier wollte ja erst mit der schwarzen Edel-Persenning bespannt werden, was einige Versuche erforderte, aber nach nur einer halben Stunde gelang.

Ernst und Christa pellten sich dann noch in ihre Neos und dann machte ich mich schonmal auf den Weg in Richtung See, um schonmal meinen Kahn ins Wasser.....moment mal......nach halber Strecke erfaßte mich ein heftiger Wind und auf dem See machte ich höchst verdächtige Schaumkronen aus. Boot losgelassen, ans Wasser gejoggt und dumm aus der Wäsche geschaut. Der Wind hatte gewaltig aufgefrischt und kam jetzt eiskalt aus Nord-Westen geblasen, die Wellen rollten knapp meterhoch schräg ans Ufer, sah wirklich nicht vertrauenserweckend aus. Nachdem Ernst und Christa das Schlamassel ebenfalls in Augenschein genommen hatten, zogen wir uns erst einmal ins Schneckenhaus zurück, und hielten Kriegsrat.

Wir hatten ja eigentlich vor, über den See nach Plön in ein Fischrestaurant zu fahren und dort zu opulent zu tafeln. So fuhren wir mit dem Auto um den See herum, hielten vergeblich in einem Mini-Baumarkt Ausschau nach einer Riesenplane, um die Zelte gegen den Regen zu schützen, der jetzt alle 10 Minuten mit Schneeschauern und gleißender Sonne um die Wetterherrschaft stritt. Wir nahmen an der Fensterseite des Restaurants Platz, nach 5 Minuten trieb mich die Sonne vom Fenster weg, nach 15 Minuten kam ein Schneeschauer, aber ich war so heiß ins Zerlegen meiner warmen Maränen vertieft, daß es mich völlig kalt ließ.

Dann machten wir noch ein paar Einkäufe in Plön, aber irgendwann hatten wir die Faxen dick und beschlossen, den Rest des Tages im Wohnwagen abzuhängen und auf den Rest der Meute zu warten, der in Plön erstandene Himbeergeist erwies sich dabei als sehr hilfreich. Gegen 19.30 Uhr trafen die dann die ersten KSC'ler ein, begleitet von einem heftigen Graupelschauer, das war gleich die standesgemäße Empfang. Schnell wurden die Zelte aufgeschlagen, aufgewärmt durch Christa's Pennerbomben-Bauernschreck-Glühfix-Cuvée dann der Seitenwand-Pavillon hochgezogen, Matthias' Versuche, diesen mit Hilfe seines Benzinkochers abzufackeln, schlugen fehl und mit vereinter Rest-Kocherkraft wurde ein warmer Eintopf kredenzt. So langsam zitterten wir uns warm und durch den einen oder anderen Schnaps vorgeglüht, sackten wir dann in unsere Nylon-Garagen.

Kennt Ihr den Film: 'Und ewig grüßt das Murmeltier'? In diesem Film wiederholt sich für den Hauptdarsteller der gleiche Tag immer wieder. Genauso passierte es am nächsten und übernächsten Tag, jedenfalls was das Wetter, und die Versuche, auf dem Plöner See zu paddeln, angeht. Nach dem üblichen Auftau-, Dusch- und Earlypiece-Procedere versammelte sich das tatendurstige Häuflein gegen 11 Uhr am See, fix und fertig aufgerödelt. 'Same procedure as yesterday' Doch wo noch eine Stunde vorher eine steife, aber nicht stocksteife Brise die Wellen zielstrebig, aber nicht allzu heftig gegen das Ufer blies, war pünktlich gegen 11 Uhr wieder der starke Nordwestwind aufgefrischt. Und so bedeckten wieder die Schaumkronen den See und die Wellen, die sich vehement schräg an die Böschung warfen.

Nach dem Motto:'Wer nicht wagt, der nicht gewinnt' warfen sich Ernst&Christa und meine Wenigkeit in die Fluten, aber nach wenigen Augenblicken war uns klar, das die Rückkehr ans Ufer die einzig richtige Entscheidung ist. So sehr wurden wir von den Wellen Richtung Ufer getrieben, es gelang mir nur mit Mühe, schneller als die Wellen zu fahren und das Wendemanöver geriet auch zur akrobatischen Nummer mit geringem Spassfaktor. Im Sommer hätte es mich sicher nicht so schnell wieder ans Ufer getrieben, aber die Aussicht, bei 4°C Wassertemperatur zu kentern, ließ mich doch erschaudern.

Glücklich wieder gelandet, tagte der große Kriegsrat über das weitere Vorgehen, wir entschlossen uns, die Schwentine ab Preetz flußabwärts zu befahren. Was Matthias mit seinem Benzinbrenner gestern nicht gelungen war, hatte ein Windstoß inzwischen vollbracht, der Pavillon war abbruchreif und wurde subitissimo abgebaut. Schnell die Boote aufgeladen und ab ging es Richtung Norden.

Nach einer kleinen unfreiwilligen Stadtrundfahrt setzten wir schließlich beim Kanu Club in Preetz ein. Die Auskunft, es sei überhaupt kein Problem, den Bach 'runter und auch wieder 'hochzufahren, stimmte uns sehr froh, denn dann ging nicht noch mehr Zeit mit der Umsetzerei flöten. Wir nutzten die Sonnenlücke zwischen zwei Schneeschauern, um einzusetzen, Micha's Spritzdecke litt stark unter akuter Kältestarre, 3 Mann waren nötig, um ihn einzulochen. Fix, meines Erachtens viel zu fix ging es dann die Schwentine hinab, nach einem kleineren See rasten wir den Abfluß in einem Affenzahn hinab, man fühlte sich stark an die Stelle beim Landtag erinnert, nur dreimal so lang. Und da sollten wir also ohne Probleme wieder hoch?

Der Wind war auch hier nicht gut auf uns zu sprechen, denn er blies gegen die Strömung und machte vor allem Ernst und Christa in ihrem Mega-Canadier schwer zu schaffen. So legten wir an einem kleinen Wiesenstück an, nachdem die beiden andeuteten, nicht mehr weiterzufahren und machten Mittag, die Wetterorgel begleitete das opulente Mahl in allen Tonarten, Tee und Glühwein standen nach wie vor hoch im Kurs und auch mein Riesling war optimal temperiert. Nach einer guten halben Stunde brachen wir wieder auf, in geschlossener Formation, kurz danach folgte ein Waldstück, welches den Wind größtenteils von uns abhielt. Das konnte man von der Strömung nicht gerade behaupten, diese steigerte sich von Kurve zu Kurve und so ging es zügig bachabwärts.

Ich begann gerade ernsthaft an der Theorie des 'ganz einfachen Rückwegs' zu zweifeln, da erreichten wir einen größeren See mit entsprechendem Wellengang, der uns die Rückkehr nahelegte. Unsere Arme wurden dann auch in jeder Kurve länger und länger, jeden Kilometer bildete sich eine Traube ausgepowerter Paddler und verharrte für ein paar Minuten, um sich von den Strapazen der letzten Meter zu erholen. Glücklicherweise griff uns auf der freien Mittelstrecke der Wind tatkräftig unter die Arme und blies uns durch die Wellen hoch Richtung Preetz.

Doch die Meisterprüfung in Forn des Seeablaufes stand uns ja noch bevor, wintergestählt zog ich voraus, da mein Dickschiff ja viel Platz braucht und erreichte mit hechelnder Zunge den See, also nochmal 50 Meter mehr hätten nicht unbedingt sein dürfen. Wie mochte es da den Canadiern gehen, ich hatte wirklich meine Zweifel, ob die diese Marterstrecke passieren könnten. Doch nach und nach tauchte einer nach dem anderen unter der Brücke, die den Ablauf überspannte, auf. Dampfend und mit signifikant erröteten Gesichtern versammelte sich der Pulk auf dem See und schnappte erstmal nach Luft.

Im hinteren Drittel tauchte auch unser Kampfsau-Canadier mit Helge und Daggi-Matthias auf, hochkonzentriert trieben die beiden ihren Seelenverkäufer in unsere Richtung und ereichten souverän unseren 'recreation spot'. Wo blieben Ernst und Christa? Doch da, das Unmögliche rückte in greifbare Nähe, Meter um Meter kämpften sich die beiden an uns heran, dicht gefolgt von Wurfsack-Matthias. An der schlimmsten Stelle kurz vorm erlösenden See verharrte ihr Sundowner fast auf der Stelle, ich war schon kurz davor, eine Umbenennung in Riverdowner vorzunehmen, da löste sich die Fuhre wieder und schwappte auf den erlösenden See.

Nach einer angemessenen Rekonvaleszenz-Phase absolvierten wir den Rest bis zur Einsatzstelle souverän, das Bier danach in der Räucherkammer des Kanu-Clubs schmeckte selten besser, aber der Qualm trieb mich schnell wieder nach draußen und ich machte die Bekanntschaft mit 3 Rennkajakfahrern aus dem Verein, die dort wohl die Mehrheit stellen. Also für mich wäre das nichts, ich wurde schon beim Anschauen dieser filigranen Boote seekrank.

So ging es dann auch in aller Ruhe wieder zurück in unser Winter-Camp. Die Boote blieben sicherheitshalber auf den Autos. Dort trafen kurz nach uns Gunter und Manu ein, diese hatten in weiser Voraussicht das Mannschaftszelt mitgebracht, dieses wurde mit höchster Priorität aufgebaut und eingerichtet, während unsere Damen vom Grill eine gehörige Portion Nudeln mit Sooß zubereiteten, die dann auch mit dem reichlich mitgebrachten spanischen Rotwein (Appelacion Bag-in-Box Controlada) 'runtergespült wurde. So klang der Abend mal wieder feuchtfröhlich aus, die Nacht war noch 0,5°C weniger warm als die Vorherige, wo man sich bei -2.1°C zwischen Schweißausbruch und Hitzewallung entscheiden mußte.

Am Samstag entschieden wir uns nach einem kurzen Blick aufs Wasser (s. Donnerstag+Freitag) gleich für einen Kleinfluß, die Trave südlich von Plön. Im Konvoi ging es quer durch die Pampa zur Einsetzstelle an einer Brücke, hier warteten wir auf die Umsetzer, ließen noch zwei Wildwasserfahrer gnädig passieren, die wohl auf eine einsame Fahrt spekuliert hatten und beim Anblick unserer Kohorte doch ins Stutzen kamen. Ich stutzte beim Anblick auf das idyllische Kleinflüßchen, bei dessem Anblick ich doch Kompatibilitätsprobleme mit meinem 5,20m-Küstenschiff befürchtete. Diese bewiesen sich aber als unbegründet, souverän wuchtete (s)ich Pinot Noir um die Kurven.

Die Fahrt führte durch eine schöne Schilf-Wiesenlandschaft, die Strömung wurde in Bad Segeberg immer stärker, ja für norddeutsche Verhältnisse reißend, ohne das (leichte) Hochwasser wäre es leicht in einer Slalomfahrt ausgeartet, viele große Steine im 'fast-Findlings-Format' lagen da im Wasser und ein Schwall führte zum Anderen. Die Wildwasser-Kollegen hätten bei Niedrigwasser doch die besseren Karten gehabt. Ein energisches 'HALT' von Matthias hielt uns gerade noch davor ab, eine (Erst?)befahrung des Wehrs nach gut 18 km Fahrt zu versuchen. So landeten wir an und nach einer Autohol-Irrfahrt kehrten wir wieder glücklich in unser Lager zurück.

Hier packte ich alsbald mein Geraffel zusammen und nach den Abschlußverhandlungen mit dem Platzwart wurde ich von diesem in Gnade entlassen, verabschiedete mich von den 'Noch-nicht-oder-schon-geduscht-habenden' und machte mich auf den Heimweg. Das Wetter hatte sich an diesem Tag wirklich positiv entwickelt, die Sonne schien die meiste Zeit, oder wenigstens kein Niederschlag in welcher Form auch immer fiel vom Himmel. Punkt 21 Uhr, als ich die Autobahn in Hannover verließ, klopften die ersten Schneeflocken an die Windschutzscheibe und die beiden nächsten Tage regnete es fast durchgehend, die Zurückgebliebenen verlegten ihre Aktivitäten denn auch aufs Wandern.

Alles in Allem mal wieder eine abenteuerliche Fahrt, 250 km Anreise, mit viel Glück und dem Recht des Früherkommenden doch gnadenhalber 8 km auf dem eigentlichen Ziel, dem See gepaddelt und dann an zwei Tagen noch 45 km auf Kleinflüssen zusammengekratzt, aber für die Wetterverhältnisse hat es scho gebasst. Sogar ich als Kaltwetter-Freak freue mich so langsam mal wieder auf eine Tour bei 20°C im T-Shirt und abends eine laue Brise, die einem sanft in den Schlaf schmeichelt, katalytisch unterstützt von einer Flasche Pinot Noir oder SchnöffdüPaap, die während des Trinkens die optimale Temperatur von 16,27°C hält und dann langsam auf 37°C herabgeschluckend die Kehle herunterrinnt und sich eine wohlige Müdigkeit einstellt, die einem alles herum vergessen lässt, die Beine werden schwer, die Augenlieder sinken herab und ........ chrrrrrr.....schnarch.......