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Schlammschlacht am Teufelsmoor

Kleine Maifahrt an die Hamme bei Worpswede (Jo Kaiser)

Und die Sonne existiert doch noch! Kaum zu fassen, nach zwei 'Sollen wir überhaupt fahren?'-Tagen zeigte sich unser Heiz-Stern am Sonntag doch noch, und zwar mit aller Macht, das Martina-Meter (je Sonnenstrahl gehen die Mundwinkel 1mm nach oben) zeigte Vollausschlag, nach 1,5 Regentagen war wirklich eitel Sonnenschein angesagt.

Doch eins nach dem anderen. Am verlängerten Wochenende zum 1. Mai war eine Fahrt ins Teufelsmoor, nach Waakhausen bei Worpswede an einen Natur-Campingplatz mitten im Moor, mit all seinen Vor- (Idylle) und Nach(Schlamm)teilen. Von 15 Angemeldeten blieben nur noch 8 übrig, der ganz harte Kern also, 5 waren schon am Freitag, den 27. April hingefahren und hatten due erste Nacht in einem Waldstück verbracht, das Moor und den Schlamm mit Wagenladungen von Tannennadeln einigermaßen im Zaum haltend.

Ich war um 5 Uhr am Samstag schon wach, blitzartig ging es dann zum Verein, lud Pinot Noir auf, und in Rekordzeit war ich dann kurz nach Sieben auf dem Campingplatz. Angesichts der Schlammlöcher und der Tatsache, daß alle noch in ihren Penntüten lagen, entschloß ich mich, eine kleine Frühstücksfahrt auf der Hamme zu machen, das Wetter war (noch) gut, Morgennebel begann langsam, sich zu lichten und so setzte ich dann in den Torf-Senkkanal direkt neben unserem Camp ein, und glitt den schmalen Kanal Richtung Hamme. Das Paddeln war sehr mühselig, da es sehr flach war, aber dafür wiurde ich durch die grandiose Landschaft entschädigt.

Nach gut 1. km fuhr ich dann in die Hamme ein und glitt Richtung Beek, in diese fuhr ich dann auch einen km ein, mit gaaanz schlechtem Gewissen, denn diese ist bis 30. April gesperrt, aber die einzigen Vögel, die ich erschreckte, waren ein paar Stockenten. Aber es war herrlich, sogar die Sonne zeigte sich zaghaft und ich fuhr eine knappe Stunde hin und her. Gegen 9 Uhr fuhr ich dann zurück, Matthias und Stephie waren auch eingetroffen, Inge, Martina, Wolfgang und ich fuhren nach Worpswede in ein Café und frühstückten. Als wir wieder ins Freie traten, hatte es begonnen, wie aus Kübeln zu regnen. Na Klasse, als wir wieder am Campimgplatz ankamen, halfen wir noch, das Mannschaftszelt fertigzubauen und hielten erstmal Kriegsrat.

Die 'Wir fahren auf jeden Fall'-Fraktion setzte sich durch und so beschlossen wir, meine Fahrt vom Morgen in der erweiterten Form zu wiederholen. Da es inzwischen aufgehört hatte, zu regnen, kamen auch die 'Heute nicht'-Paddler mit. Das Wetter war uns zuerst noch gnädig, aber auf der Hamme setzte ein starker Wind und Regen ein, der uns jedoch noch nicht besonders störte, da er von hinten kam. So fuhren wir die Hamme aufwärts, die fehlende Strömung wurde von den durch den Wind aufgepeitschten Wellen mehr als aufgewogen, und so beschlossen wir nach 7 km, den Rückweg anzutreten.

Und hier blies uns erwartungsgemäß der Wind entgegen und der Regen prasselte erbarmungslos gegen das Gesicht. Die Wellen rasten dem Bug entgegen, also mir persönlich machte die Fahrt zum Café bei 'Neu Helgoland' viel Spaß, man konnte sich mal wieder so richtig austoben, aber es gab sicher den einen oder anderen, der diese Meinung nicht uneingeschränkt teilt. Auf jeden Fall waren heißer Kaffee und/oder Suppe heißbegehrt und vereinzelt wurden auch KSC'ler bei fester Nahrungsaufnahme gesichtet. Kurz bevor die Lokalität von den Kaffeetanten und Onkels endgültig gestürmt wurde, fuhren wir ab und erreichten nach kurzer, nicht mehr so ganz turbulenter Fahrt (es hatte zumindest aufgehört, zu regnen) den Schlammkanal, der uns dann in ruhigen Bahnen zum Zeltplatz brachte.

Den Rest des Tages machten wir alles wasserfest und richteten das Gemeinschaftszelt ein. Da wir Grillsachen dabei hatten, wurde beschlossen, zu grillen, da waren wir eisenhart konsequent. Matthias schmiss seinen Benzin-Flammenwerfer an, nachdem wir vorher besprochen hatten, was die nächste halbe Stunde nicht mehr zu besprechen war, da dieses Höllenteil jede normale Kommunikation im Keim erstickte. Ein Riesentopf mit (Mitesser*2) Kartoffeln wurde aufgesetzt, und weltmeisterlich Salat geschnippelt und die Tafel gedeckt. Als Aperitif kreiste die Obstlerflasche, dann wurde das frugale Mahl in fröhlicher Runde eingenommen und der Abend zuende ge-klönschnackt.

Ich hatte ja auf den Aufbau meines Zeltes verzichtet und richtete mir meine karge Bettstatt in einer vom Matsch halbwegs verschonten Ecke des Mannschaftszeltes ein und fiel dann, vom Geist des Weines mental unterstützt, in einen tiefen Schlaf, der erst wieder um ca. 5 Uhr durch eine nervende, heisere Taube beendet wurde. Ich döste noch etwas vor mich hin, stattete dem Duschhaus einen Besuch an und harrte dann der kommendes Ereignisse. Nach und nach trudelten die verschlafenen Gesichter ein, 3 Tüten frische Brötchen waren das einzige Knusprige an diesem Morgen, es regnete zwar nicht mehr, aber alles war irgendwie feucht und klamm, so war die Stimmung an diesem Morgen auch etwas gedrückt.

'Was tun?', war die große Frage, leicht einsetztender Regen machte die Entscheidung nicht einfacher, aber wir enschlossen uns dann, die Oste in ihrem Mittellauf zu befahren, dort, wo ein paar von uns letztes Jahr ausgesetzt hatten, bei Zeven. Schnell die Boote aufgeladen, dann ging es los. An der Einsetzstelle war das Wetter recht freundlich, der Pegel im grünen Bereich, schnell waren wir auf dem Wasser. Die Oste ist an dieser Stelle ein munterer Wald- und Wiesenfluß mit einigen Windungen und so war mit meinem 5.20-Meter-Schlachtschiff einige Konzentration erforderlich, um mich um die Kurven zu drücken, aber nach den ersten Kilometern hatte ich den Dreh heraus und es machte von Kurve zu Kurve mehr Spaß.

So schlängelten wir uns den Bach hinab, bald kam doch tatsächlich die Sonne heraus und als wir eine Pause bei einer restaurierten Mühle machten, zeigte sie sich in voller Pracht und heizte uns mächtig ein. Blitzschnell wurden die dicken Jacken eingemottet. Nach einem kurzen Waldabschnitt ging es dann hinaus auf die Wiese, hier war der Wasserstand in etwa so hoch wie das Gras, man glitt also direkt auf Wiesenhöhe und konnte an einigen Stellen gar eine kleine Seefahrt machen, wo sonst die Kühe grasen. Es schien so, als würden die Vorausfahrenden in der nächsten Kurve direkt durch die Wiese paddeln.

Es folgten noch ein paar wirklich haarige Haarnadelkurven, fast mäanderartig grub sich der Fluß durch die Wiesen, in der Außenkurve war natürlich immer ein Baum oder zumindest Gebüsch in der Strömung, so war hier wieder Maßarbeit angesagt, das war auch wirklich am Limit, was ich mit Pinot Noir befahren möchte/kann/will. Nach 18 km erreichten wir dann die Aussetzstelle, Inge fuhr noch 3 km weiter, die Fahrer holten die Autos und dann wurde routiniert der ganze Krampel in und auf die Autos gepackt und dann gings zurück ins Moor-Camp.

Da ich am nächsten Tag wieder früh aus dem Bett musste, war ich froh, daß die Allgemeinheit beschloß, nicht nach Worpswede zu fahren um dort zu speisen (was ja einen enormen Maniküre/Pediküre/Starallüre-Aufwand bedeutet hätte, neeiiin ich spreche niemanden direkt an ;-). Wir gingen dann in eine urige Feierabendgaststätte, wo wir aus der reichhaltigen Speisekarte auszuwählen hatten:

Der Sommelier empfahl dazu ein Haake Pils aus der Flasche.

Wir lauschten ganz gebannt den Urlauten der Eingeborenen (schienen Bekannte des urigen Wirtsehepaars zu sein) und ließen so den Abend gut gesättigt ausklingen. Ich hatte vorsorglich meine Sachen schon gepackt und startete direkt gegen 19.30 Uhr wieder zurück nach Hannover, wo ich gegen 21 Uhr eintraf.

Hier war für mich die Reise zu Ende, ich traf die Anderen erst wieder am Dienstag, den 1. Mai, als Micha und ich von der Fahrt ums große Dreieck zurückkehrten. Ihre Boote waren wirklich von oben bis unten mit Moor-Schlamm bedecktm der Wasserschlauch hatte Hochkonjunktur. Sie sind wohl am Montag die Wümme gefahren, haben im Mittelarm leicht die Orientierung verloren, da die heimtückischen Bremer wohl noch ein paar Verwirrungskanäle eingebaut hatten, die im Flußführer noch nicht eingetragen waren, aber Matthias hat sie (schwedengestählt) sicher wieder herausgeführt. Am 1. Mai wurde dann stilecht gewandert, damit die Füße auch mal wieder was zu tun hatten.

War eine abwechslungsreiche Fahrt, aber so gerne ich im Kalten oder bei Regen paddele, zum Zelten ist einfach eine stabile Schönwetterlage unabdingbar, vor Allem, wenn wir mal mit den Kindern unterwegs sind.