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Fahrt ums große Dreieck

Micha und Jo eröffnen die Sommersaison

Gut ein Jahr nach meiner Erstbefahrung (damals noch mit zittrigen Knien in Obelix, dem Wildwasserboot, meine erste längere Fahrt überhaupt) machten sich Micha und ich wieder auf die Tour auf dem großen Dreieck. Da geht es die Leine 16 km abwärts, ein Stück auf dem Mittellandkanal(MLK) in den Kanal, der dann an Seelze und Letter vorbei Richtung KSC führt. Wir sind ja damals unter dem MLK weitergefahren Richtung Schloß Ricklingen, und nach 27 km war ich wirklich am Ende meiner Kräfte und lag erstmal 2 Stunden reglos auf dem Sofa im Verein, um mich wenigstens halbwegs zu regenerieren.

Aber das ist Geschichte, 27 km fahre ich einmal die Woche, aber aus irgendwelchen Gründen scheute ich mich, diese Fahrt alleine zu machen, da doch in meiner Erinnerung ein paar knifflige Schwälle in Erinnerung geblieben waren. Deshalb war ich froh, als Micha gegen viertel nach 10 erschien, ich war zwar fest entschlossen, die Fahrt auf jeden Fall zu machen, aber zu zweit war es mir dann doch lieber. Erstmal suchten wir den Kloschlüssel, den wohl irgend jemand aufgefressen hatte, nach einer halben Stunde gelang es Micha, die Tür mit einem Dietrich zu öffnen, also stand den geschäftlichen Angelegenheiten nichts mehr im Weg.

Das Wetter war fast perfekt, die Sonne brannte erbarmungslos herab, zum Glück ging noch etwas Wind, aber ich schmierte mich sicherheitshalber zweimal doch mit Sonnenmilch LF 8 ein, ich sollte es nicht bereuen. Gegen 11 Uhr glitten wir Richtung Schleuse, dort setzten wir in die Leine um. Hier trafen wir eine Abordnung des Paddelclub Hannover, diese machten dort schon ihre erste wohlverdiente Pause, wir fuhren gleich weiter und kamen zügig auf der Leine, die noch leichtes Hochwasser führte, voran.

Die Sonne brannte erbarmungslos herab, aber es machte richtig Spaß, die Windungen mit Schwung zu nehmen, im Flußführer wird der Teil der Leine unterhalb Hannovers ja als: 'Befahrung nur für Unentwegte, die ja keinen Fluß auslassen wollen', beschrieben, dies kann ich nicht nachvollziehen. Die zwei Schwälle, die ich in Erinnerung hatte, waren bei diesem Wasserstand zu kleinen, kaum wahrnehmbaren Gefällstrecken mutiert, also überhaupt kein Problem. So erreichten wir in Windeseile den Mittellandkanal, das Aussteigen erwies sich als extrem schwierig, das Ufer ein einziges Schlammbad mit Brennesseln, die schmalen Einsetzstufen waren noch zu tief im Wasser. Naja, im Mittellandkanal konnte man sich ja waschen.

Dann auf den MLK, die 3 km zwischen den Spundwänden erwiesen sich als Belastungstest für den Magen, man schwamm wie ein Korken auf den Wellen, die aus allen Richtungen zu kommen schienen, da hier es: tapfer durchhalten und paddeln, was die Arme hergeben, nach 20 Minuten war der rettende Seitenkanal erreicht; nicht auszumalen, wenn noch zwei große Schiffe gekommen wären, aber es ist wohl doch reine Konditions- und Übungssache. Nun ging es schnurgerade an verschiedenen Motoryachten vorbei, nach 2 km landeten wir im Yachthafen Seelze, dort setzen wir unsere Boote frech auf den Steg direkt beim der Gartenterasse und nahmen in unserer doch leicht verschlammten Paddlerkluft Platz. Ich trug nur eine kurze Hose und ein T-Shirt, Micha hatte tatsächlich noch den Neo angelegt, schon bei dem Gedanken bekam ich einen Schweißausbruch.

Durch Bier und Eis gestärkt ging es dann auf die Geduldsstrecke, die Gerade Richtung Linden, man paddelte und paddelte und ein Ende kam und kam nicht näher, zu allem Überfluß näherte sich hinten noch ein dicker Pott. Endlich erreichten wir einen kleinen Steg und ließen das Riesenschiff passieren, es machte kaum Fahrt und ich setzte mich ca. 30 Meter schräg hinter das Heck und verfolgte es. Plötzlich gab es Vollgas und ich ritt notgedrungen auf dem sich bildenden Wellenkamm weiter, also man sollte doch nicht übermütig werden, aber schließlich bog es in den Stichkanal Linden ab.

Vor der Schleuse sah man schon die Paddel verdächtig blitzen, tatsächlich spielten unsere Kanupolo-Jungs gegen die Fraktion vom KC Limmer, ein Freundschaftsspiel, aber trotzdem mit der gebotenen Härte. Wir schauten noch ein bißchen zu, ich bot mich als 'Schneller Feldüberquerer beim Konter' an, aber das Angebot fand wenig positive Resonanz. So machten wir und bald wieder ans Umtragen der Schleuse und kehrten gegen 17 Uhr zurück, fast zeitgleich kamen die restlichen 'Teufelsmoorer' an, nach einem großen Hallo waren diese damit beschäftigt, ihre Boote zu entschlammen und nach einer weiteren halben Stunde löste sich die Versammlung auf.

Fazit: Eine interessante Strecke, konditionell doch wesentlich anspruchsvoller als die Sarstedt-Tour, aber doch eher ein Sommervergnügen durch die die schwierige Umsetzerei und den Höllenritt zwischen den Spundwänden. Ich werde sie jetzt am Donnerstag wieder fahren und mir das Auto-Holen von/nach Sarstedt sparen, deshalb wird sie als offizielle Trainingsstrecke während der Sommerzeit die Sarstedt-Tour ablösen, die kommt dann im Winter wieder an die Reihe.