Ganz allene - ging's an die Peene

Einmal Peene 'rauf und 'runter

 

Dieser Bericht entbehrt jeglicher Fotos, war einfach eine Genußfahrt dazu gilt nach wie vor für Yves (unbeladen)

Mein Flitzer Yves ist wasserdicht
Meine Knipse leider nicht
Und rutsch ich über Yves' Süllrand
Bleibt die Kiste besser an Land

Also Tacheles :-)

Lange schon geplant, Anstoß war eine Sendung in N3, war es direkt im Anschluß an die Berlinfahrt soweit, Pinot abladen, Yves auseinanderrupfen & aufladen und ab Richtung Nord/Nordosten. Kleiner Abstecher an die Ostsee an die Halbinsel Darss/Zingst, Stützpunkt an der engsten Stelle bei Dierhagen beim Campingplatz an den Stranddünen, war ein Glückstreffer, da wirklich ohne Straße direkt an der Ostsee, alle weiteren Plätze auf der Halbinsel liegen suboptimaler.

Erster Tag abgammeln am Strand, bei Windstärke 4-5 blieb Yves auf dem Dach und ich sah lieber den Windsurfern zu, am nächsten Tag kleine Rundfahrt mit dem Auto, je weiter nördlich, umso touristischer wurde es, auch Ende September war noch gut was los, jede Form von (nicht verkehrsbedingtem) Stillstand war mit Kosten verbunden, auch der entlegenste Parkplatz entgeltpflichtig (Mirdochegal [tm]). Da die Ostsee dort überall gleich aussieht, also kein Grund, lange zu verweilen, da kann ich auch gleich auf/nach Sylt.

Ganz anders die Boddenküste, ruhig-romantisch, noch richtiger Ost-Flair im positiven Sinne, kleine Häfen, Fischbrötchenbuden wo die Brötchen noch frisch zubereitet werden, Zwiebeln geschnippelt etc... Aber zum Paddeln war auch hier nicht die richtige Stimmung, der kräftige Wind gepaar mit flachen Stellen sorgte für unangenehme kurze Wellen, diese liegen Yves gar nicht und daher beließ ich es auch beim Spazierengehen. Das kann man hier wunderbar, direkt an der Küste beginnen wildromantische Märchenwälder.

Am nächsten Tag hatte der Wind nochmal zugelegt, also verlegte ich mein Hauptquartier an die Peene. Ursprünglich wollte ich in Malchin zwischen dem Kummerower und Malchiner See mein Quartier aufschlagen, dann einmal um den Malchiner See und dann bepackt und beladen über den Kummerower See die Peene abwärts bis zum Peenestrom juckeln. Doch der Wind um 6 machte diese Planung zunichte und so beschloß ich, die großen Seen erstmal zu verschieben und mich der ruhigen ‚Kernpeene' zu widmen. Sollte ja eine Erholungsfahrt werden, mit ein paar Adrenalinspritzern und kein Stress-Eintopf

Also ich möchte nicht mit Details nerven, ich habe die Peene Stück für Stück abgepaddelt, alle zwei Tage das Auto umgesetzt, erster Stützpunkt war Alt Penzin zwischen Demmin und Jarmen, dann ging es jeweils ca 20 km in die eine Richtung, und dann wieder 20 km zurück, wobei ich es auf der Hinfahrt zügig angehen ließ und auf der Rückfahrt dann in den Zockelmodus verfiel. So arbeitete ich mich während 5 Tagen komplett durch. Weitere Stützpunkte waren Stolpe und Aalbude. An den beiden letzten Tagen habe ich dann noch den Malchiner und Kummerower See umrundet, letzterer ist bei Wind über 4 mit größter Vorsicht zu genießen, da viele Untiefen und kaum Landemöglichkeiten bzw. Steinufer, ist vergleichbar mit der Müritz.

Die Peene ist wirklich wunderschön, eine Mischung aus Örtze und Oberhavel, im oberen Bereich etwa so breit wie die Leine unterhalb Elze, gegen Ende zu Anklam hin wird sie eher weserartig. Am Ufer wechseln sich Schilf, Wald und (wenig) Wiesen ab, wirklich ur-romantisch und ursprünglich, Sumpfgas blubbert in dicken Blasen hoch, es riecht nach Urzeit. Typisch sind die Torfstiche links und rechts, längliche kleine Seen, teils miteinander verbunden, ich habe einen halben Tag nur darin verbracht, und Biber sowie Fischotter gesichtet.

An schönsten ist der Teil zwischen Aalbude (Ausfluß Kummerower See) und Demmin, da kann man die alten Peenearme befahren, sind zwar mit Baumstämmen abgesperrt, aber mit einem sehr schmalen (< 60 cm) Boot kann man durchschlüpfen. Richtung Anklam dann nur noch Schilf und wie gesagt schon fast seenartig. Die Strömung (auf 100 km ca. 26 cm "Gefälle") richtet sich nach der Windrichtung, Mondphase und Biorhythmus des Paddlers, ist schwer voraussagbar und nie in der gewünschten Richtung. Ich erinnere mich noch zu gut an die Rückfahrt von Demmin (24 km), hin brauchte ich gut 2 Stunden mit leichter Strömung und Rückenwind, die Rückfahrt dauerte dann fast 6 Stunden, da der Wind auf Stärke 6 aufgefrischt hatte, da galt es: keulen, bis der Arzt kommt, nie wieder vergesse ich mein Starkwindpaddel...

Infrastruktur ist kaum vorhanden, die Wasserwanderrastplätze sind sauber und mit Duschen und WC ausgestattet, zweimal am Tag kommt der Scheff vorbei und kassiert. (Preise zwischen 2 und 5 €) Aber es gibt überall Biwakplätze, auf denen man eine Nacht verbringen kann. In der Nebensaison ist alles überhaupt kein Problem, aber ich habe Bilder von der Hochsaison gesehen, Zelt an Zelt (schauder....)

Aber ein bisschen Schatten gibt es natürlich auch, einen Nerv- und einen Streßfaktor.
Der Nervfaktor sind die allgegenwärtigen Hausboote, diese sind auf ca. 8 km/h gedrosselt, also ziemlich genau meine normal/schnelle Wandergeschwindigkeit, wenn man so ein Teil im Nacken hat, dann hat man die Wahl zwischen Kampfmodus oder man legt eine kleine Pause ein, bis der Stinker vorbei ist. Und abends legen die Kähne dann an den Rastplätzen an, das Radio dudelt, und sobald die Temperatur unter 15°C sinkt, wird die Standheizung von den teilmumifizierten bis scheintoten Insassen angeworfen, wenn 3 oder 4 von den Teilen vor sich hinbollern, kommt man sich vor wie auf einem Flugplatz, also soweit wie möglich von den Dingern weg das Zelt aufstellen.

Gegen niedrigen Adrenalinspiegel gibt es dann die Schubverbände, ja richtig gehört, dicke Pötte mit 50-70 Meter Länge und 15-18 Meter Breite. Bei 30-40 Meter Flußbreite kann man sich ausmalen, was geschieht wenn so ein Teil auftaucht. Es gibt nur 2 Möglichkeiten: Mit dem Bug voran weit genug vom Ufer entfernt annehmen, oder so weit weit in einen hoffentlich gerade vorhandenen Moorarm zu sprinten. Denn das Ufer mit den kleineren Buchten wird auf 3 Meter Breite binnen kürzester binnen kürzester Zeit komplett leergesaugt und eine knappe Sekunde später mit 2-Meter-Brechern überspült. Man hört die Dinger früh genug, einmal im oberen schmalen Abschnitt habe ich mich instinktiv für eine Blitzlandung entschieden und es keine Sekunde bereut. (3 Kreuze, daß dr Kahn unbeladen war) Was der leere Schubkahn, der da mit voller Geschwindigkeit um die Kurve driftete, veranstaltete, hätte ich niemals trockenen Fußes überstanden.

Aber alles in allem ist die Peene ein wunderbarer Fluß oder besser ganz langer schmaler See, ideal zum relaxen und einfach genießen, nix für Actionfreaks, Kulturjunkies und unsere Powerkiddies. Ich war sicher nicht das letzte Mal dort, und auch die Tollense oder Trebel (2 km Tollense habe ich mir auch gegeben, wirklich schnuckelig, für Kleinflußfreaks) bieten noch genügend unentdeckte Ufer.

Also bis bald - wunderschöner Peenewald

JOachim