2002

Heidschnucken(muffel)fahrt 2002

2 Tage feucht-fröhliche böhmische Dörfer

 

Als ich am Samstag morgen meinen selbstfahrenden Untersatz vorm Haus enterte, galt es, eine große Pfütze an meiner Standard-Parkstelle zu überwinden, bei der Rückkehr das gleiche Bild, nur hatte wohl zwischenzeitlich ein signifikanter Wasseraustausch stattgefunden. Auf jeden Fall hat keiner während der diesjährigen Wiederholung der Heidschnuckenfahrt an Flüssigkeitsmangel gelitten, auch Sonnenmilch und -Brille konnte getrost zuhause bleiben, es gab zwar (vor allem am Samstag) ein paar Aufhellungen, aber der Rest der Fahrt stand unter Petrus' Segen. (was ja kein Nachteil sein muss)

Samstag rottete man sich gegen 7 Uhr beim KSC zusammen, dann wurden die Boote von der Fahrtenstrategin Francoise auf die Autodächer verteilt, es tröpfelte unentwegt, aber tolerierbar. Dann ging es im mehr oder weniger offenen Verband im morgendlichen Zwielicht zum Campingplatz an der Böhmeschlucht, wo man auf die Hardcorler Micha und die Schirmels traf, die den Elementen schon seit Freitag trotzten. In Rekordzeit waren die Zelte aufgebaut, mein neues Zelt (Gestänge zusammenstecken, Außenzelt mit integriertem Innenzelt auslegen, einhängen, 3-4 Heringe reinklopfen, Gerümpel 'reinschmeißen - fertich) hat sich mal wieder bewährt, dann ging es auch gleich weiter nach Tetendorf zur Einsetzstelle.

Dort verteilte man die Autos strategisch um die nicht gerade ausladenden Parkmöglichkeiten und schleppte die Boote Richtung Ufer. Also es war schon deutlich mehr Wasser auf dem Bach als letztes Jahr, der Steg stand kurz vor der Überflutung. Nun galt es, unsere Riesengruppe von über 20 Paddlern in eine erste Power- und in eine zweite Gammelgruppe aufzuteilen. (später sollte sich diese Aufteilung als irrelevant erweisen, was die erste Gruppe an Wagemut vorlegte, glich die zweite Gruppe durch Kampfgeist aus) Ich wurde erstmal der ersten Gruppe zugeteilt und so ging es dann auch schon los, die ersten Kurven zur Auflockerung der erkalteten Muskulatur, dann ging es munter weiter, nach gut 500 Metern schon das erste Hindernis in einer Rechtskurve, ein paar Äste ließen nur in der Mitte einen kleinen Durchschlupf, den es mit Schwung oder Technik zu überwinden galt, die Schwungvollen hier ausnahmsweise im Vorteil.

Die zwei Wehre danach waren dafür gut überspült, und wo ich jetztesmal mit meiner langen Tupperschüssel mehr schlecht als recht 'runterrumpelte, ging es jetzt elegant in einem Rutsch. Danach setze ich mich von der Spitzengruppe ab, um mich ein bisschen warmzufahren und kachelte bis zum dritten Wehr, wo wir letztesmal Uwe eine Geburtstagsmenü zubereiteten, durch. Sicherheitshalber stieg ich vorher aus, obwohl sich das Wehr bei diesem Wasserstand als gut befahrbar erwies, letztes Jahr hatte ja Manu's langer Einer einen guten Knacks wegbekommen. Ich ließ die Primärgruppe passieren und wartete im Nieselregen auf die Sekundärgruppe, die dann auch bis auf die Kanadier souverän vorbeizog. Ich hinterher, der nächste Zwangsstop ließ auch nicht lange auf sich warten.

Ich werde die weiteren Blockaden nicht im Einzelnen beschreiben, habe auch vollkommen den Durchblick verloren, am ersten Tag bis 'Heidschnuckenhausen' waren es um die 8 Blockaden, am nächsten Tag bis Walsrode um die 4, meist vom Hochwasser unterspülte Brücken, oder Bäume, einige wären wohl gerade so passierbar gewesen, aber aus Sicherheitsgründen haben wir uns doch für die Umtragung entschieden, war auch wohl besser so. Denn ein etwas halbherzig ausgeführter Unterquerungsversuch von Daggi führte zur einzigen Kenterung, Daggi war schnell am Ufer, das Boot dauerte etwas länger (die Crew war noch nicht so eingespielt), und da wir 500 Meter sowieso eine Rast geplant hatten, und der Regen einmal pausierte, verbanden wir das Nützliche mit dem Angenehmen und ließen uns an Ort und Stelle nieder.

Die zweite Etappe an diesem Tag war geprägt von streng monoton zunehmenden Hindernissen, vor allem auf den letzten paar Kilometern lohnte es sich kaum, die Spritzdecke zu schließen, es ging 'rein und 'raus. An einer Doppel-Baumschranke hätte es mich beinahe erwischt, im allgemeinen Aussetzgetümmel trieb ich quer vor den Baum, und ohne Francoises' aufopferungsvoller Wurfsack-Unterstützung säße ich da heute noch. Dann noch der Schwall unter der Brücke, auch mal wieder vielleicht gerade so fahrbar, die erste Gruppe mit Uwe ist wohl größtenteils gefahren, Wolfgang drehte kurz davor in der letzten Sekunde ab, und Inge wäre unter der Brücke fast festgehangen, also wie gesagt nichts für schwache Nerven, wir setzten geschlossen um. Und so erreichten wir am frühen Nachmittag gegen 16 Uhr den Campingplatz 'zur Böhmeschlucht' .

Nun galt es, die 3 Stunden bis zur Eröffnung der Schnuckentafel zu überbrücken, die notdürftig aufgebauten Zelte wurden fixiert und wohnlich eingerichtet, den einen oder anderen gelüstete es nach einer Dusche, wir setzten schonmal die Autos um, spätestens nach Einbruch der Dunkelheit war dann auch der Campingtisch aufgebaut und es wurde kräftig vorgeglühschnackt. Punkt 19 Uhr stürzte die hungrige Meute dann in den Schnuckentempel und dann bogen sich mal wieder die Tische, wir hatten es uns ja mal wieder redlich verdient. Es war also eine Wiederholung der letztjährlichen Schlemmerorgie, ein konstanter Faktor sozusagen. Einziger Unterschied, was mich angeht: Ich hielt mich mit den Ratzepützern stark zurück, beließ es bei zweien, dafür noch einen? Bullenschluck, danach verzog ich mich ziemlich früh ins Zelt und wurde dafür mit einer gesegneten Nachtruhe (<-> Nachtkoma 2001 :*) und klarem Kopf am nächten Morgen belohnt.

Und so war ich schon gegen 7 Uhr wach, wurde auch mit einem grandiosen Morgenrot belohnt, Schwärme von (etwas verspätet und irgendwie desorientiert wirkenden) Kranichen zogen über den Platz. Aber ein eisiger Ostwind war aufgekommen und fegte steif über die verträumte Böhmeschlucht, dazu waren die Temperaturen stark gesunken, gestern noch knapp zweistellig, sollten heute Wind, knapp 5°C und konstanter Regen unsere Fahrt begleiten. Doch noch war es trocken, trotzdem zogen sich die Stunden bis zum Frühstücksbuffet ganz schön in die Länge, aber Punkt 9 Uhr wurde das Büffet erstürmt und geplündert, also bei mir reichte es locker bis zum Abend, sowohl qualitativ als auch quantitativ, einziger erheblicher Kritikpunkt war der Nussnougatcremespender, der wohl nur bei 27,4 +/- 0,5 °C richtig funktionniert, in unserem Fall seinen Inhalt nur wiederstrebend offenbarte.

Doch irgendwann muss der Paddler aufs Wasser, und so geschah es, pünktlich zum Einsetzen fing es an, zu regnen. An diesem Zustand sollte sich nicht viel ändern, zusammen mit dem frischen Wind war es dann doch recht ungemütlich, auch mein Aufwärmspurt nach Fallingbostel zum Wehr ließ die Stimmung nicht überkochen. Dort setze ich aus und wartete auf die Desperadogruppe unter dem Kommando von Uwe, und wie erwartet ließen sie sich eine Befahrung des Wehres nicht entgehen, bis auf Antje natürlich, die mich mit ihrer Gesellschaft beehrte, bis ihr Kahn wieder im Wasser war. Kurze Zeit später dann der Rest (Helge, Wolfgang und die Hoppes hatten uns ja schon verlassen), hier geschlossenes Umtragen und Einsetzen an der 'Henkerstreppe'.

Der Rest der Fahrt musste man doch wieder 3-4mal freimüssig aus dem Kahn, im strömenden Regen ging es dann über brennesselgespickte Böschungen, schlammige Kuhwiesen und glitschige Holzbrücken. Es war schon fast eine Gnade, wenn man wieder die Spritzdecke schließen konnte. Auf den letzten Kilometern nahm der Regen stetig zu, ich verfiel in einen Gammelmodus, Mütze tief im Gesicht ging es Kurve um Kurve Walsrode entgegen, da baute sich auch schon das Schulzentrum am linken Ufer auf und man konnte die Silhouetten der Vorhut am Ufer ausmachen. Angelandet und nichts wie 'raus aus dem Kahn. Dann das Auto geholt und die Boote aufgeladen, von der Lade-Maitresse Francoise bekam ich ihr und Daggi's Boote zugewiesen, und dermaßen bestückt, ging es zurück zur 'Böhmeschlucht', dort Zeltabbau und zurück zum KSC. Eigentlich hatten wir noch Glück mit dem Wetter, denn jetzt öffneten sich alle Schleusen, es schüttete ohne Ende, beim Verein schmiß ich die Boote vom Dach, als Uwe (mit meinem Boot) nach 30 Minuten noch nicht da war, machte ich mich vom Acker. (Danke nochmal an Daggi, daß sie sich Pinot angenommen hat, als er einsam und verlassen auf dem Platz lag).

-> Man bekam, was man erwartet hatte, wer im November fährt, erfährt auch November, aber alles in allem mal wieder eine interessante und abwechslungsreiche Fahrt, ich freue mich schon auf Teil (200)3 :-), wer will, kann ja noch mal die JungfernSchnuMuFa vom letzten Jahr bewundern, so mit Fotos, dieses Jahr wäre die Knipse gnadenlos abgesoffen...

 

JOachim