elsmoor

Winterfahrt im Teufelsmoor

So hier jetzt der Bericht über die Teufelsmoorfahrt, könnte mich in den Allerwertesten beissen, daß ich die Kamera vergessen hatte, hätte die Möglichkeit gehabt, das Bild des Jahres/Jahrzehnts zu schießen, doch dazu später...

Der große Pulk hatte sich ja schon am Freitag eingefunden, ich rückte erst am Samstag nach, fand dementsprechend eine

n mehr oder weniger verpennt-versumpften Haufen vor, als ich gegen 9 Uhr in Waakhausen eintraf, bei nur einer Duschgelegenheit dauerte es schon eine Weile, bis sich alle wieder in einen zivilen Zustand versetzt hatten, ich nutzte die Zeit, mein Räuberlager in der Dachkammer bei Ali einzurichten, die Verschläge im Erdgeschoss sind ja recht beengt, da oben war die Luft mit Sicherheit besser (trotz Matthias' genialer Bohnensuppe, aber ich greife schon wieder vor..)

Danach rustikales Frühstück, von bretonischem Honig über tiroler? Schlagmichtot-Salami, pfälzer Saumagen und türkischer gefüllter Aubergine war alles verfügbar, von den üblichen Banalitäten wie BrötchenButterMarmeladeKäse ganz zu schweigen. Gegen 10 Uhr wurde dann die Abmarschbereitschaft hergestellt, denn wir wollten ja an diesem schönen Tag (erst Dunst, dann strahlende Sonne) die Oste paddeln, der Scheff Matthias hatte erstmal 24 km verordnet, mit der Option auf eine Verkürzung - wir sollten sie in Anspruch nehmen - und schon wieder 5 € in die Zukunftskasse. Nur Daggi (die letzte Eiswasser-Kenterung noch im Hinterkopf) und Francoise (schwer erkältet, sah gar nicht gut aus, die Gute) zogen es vor, im kuscheligen Hexenhäuschen zu bleiben, die Paddelwütigen erreichten gegen 11:30 Uhr Heeslingen, den designierten Einsatzpunkt.

Für ein Winterwochenende herrschte da ein erstaunliches Treiben, außer uns schickten sich noch zwei Gruppen an, die Oste zu befahren, aber irgendwie arrangierte man sich, und die ganze Pack- und Rödelaktion verlief ohne größere Komplikationen, in die Neos hatte man sich vorsorglicherweise schon in Waakhausen gezwängt. Nun galt es, den Bach bzw. das Boot zu besteigen. Das Hochwasser hatte die Böschung bis auf den Mutterboden ausgewaschen, dieser war zwar oberflächlich gefroren, aber aber direkt am Wasser, also der kritischen Stelle herschte der Schmodder, schmierig-glitschiger Schmodder. Auch der obligatorische Marsch 100 Meter links und rechts erbrachte keine Verbesserung, mit viel List und Tücke und unter Einbringung von unter 1 Kilo Schlamm ins Boot gelang mir dann der Einstieg und ich machte ein paar Lockerungsübungen, während die anderen nach und nach ins Wasser rutschten, oder gerutscht wurden.

Alle? Nein, einer mußte mal wieder aus der Reihe tanzen, während Stephie mit ihrem Helmi-Boot, von Matthias liebevoll in den Bach geschoben, noch mit viel Glück in der waagrechten blieb (O-Ton: Die langen Boote bitte ein bisschen schneller' reinschieben), ereilte Helge das Schicksal des 'Kenterbruderus initialis', ein letzter vergeblicher Stützversuch und drin lag er. An dieser Stelle war es nur knietief, und so tauchte er einen Sekundenbruchteil später wieder auf: Ein Bild, das sich in mir fest eingebrannt hat, ich war ja nur 2 Meter entfernt: Helge taucht aus den Fluten auf, tropfend/triefend der Hut, verbissener Gesichtssausdruck und als absolute Krönung die völlig durchgeweichte und natürlich erloschene Kippe fest im Mund, ein Bild für die Götter ;-) Zwei Schritte und er hatte das rettende Land erreicht, erst dort speite er das Dingen angewidert aus, als er sich dann umgezogen hatte und ordentlich eingestiegen war, lachten wir beide darüber.

Dann konnte es endlich losgehen, die Sonne hatte die Schlacht gegen den Dunst längst gewonnen und so stand unserer ersten Pause nach knapp 1 km nichts mehr im Wege, dort lag der erste kapitale Baum im Bach, Forstarbeiter waren schon am Zersägen, da sie sich jedoch auf die Landseite beschränkten, half alles nichts, raus aus dem Boot und umsetzen. Micha und ich stiegen am anderen Ufer aus und fanden auch eine geniale Sandbank zm Wiedereintritt in die Oste. Dort warteten wir, und warteten....10 Minuten stellet sich heraus, daß Ali unbedingt seinen neuen Neo einweihen wollte, auch beim suboptimal koordinierten Einstiegsvorgang, die Zeiteinheit: '1 Ali' = Abstand zwischen zwei Beinahe-Kenterungen, kommt nicht von ungefähr :-)

Doch irgendwann ging es auch hier weiter, und so konnte man bei strahlendem Sonnenschein eine kurvenreiche Kleinfluß genießen, nur noch unterbrochen durch zweimaliges weiteres Zwangsumsetzen, beim zweitenmal legten wir dann auch eine Pause ein und ich muss zugeben, ich hatte mal nichts dagegen, so eingerostet, wie ich nach der langen unfreiwilligen Winterpause war. Dort setzten auch noch ein paar richtige Trapper-Canadier um, so richtig mit Fellmütze und Holzfällerhemd. An Land war es wegen des Windes trotz der Sonne recht schattig und so machte man sich bald wieder auf, um die restlichen Kilometer abzureißen, Matthias hatte beschlossen, die Fahrt schon bei km 16 abzubrechen, da man sonst in die Dämmerung gepaddelt wäre, auch ganz ohne Kenterzuschlag und so erreichten wir gegen 16:30 Uhr die Brücke bei Rockstedt, und nach einer komplizierten Autoholaktion: Ein Auto stand da, wo wir aussteigen wollten, ein Auto hätte da stehen sollen, wo wir aussteigen mußten, stand da aber nicht, so mußte man mit dem Auto die Fahrer zu den Autos bringen, die sowieso da standen, wo sie sollten und das Auto dann holen, daß dort stand wo es im Nachhinein nicht stehen sollte...usw...ging es zurück zum Basiscamp.

Ähja, auf jeden Fall fielen wir dann am Abend über die von Matthias mit professioneller Hingabe gekochte Bohnensuppe mit Schweinskrameinlage her, ein gefräßiges Schweigen erfüllte den Raum, und ob es daran lag, daß die Anderen schon am Vortag ihr Pulver verschossen hatten oder die Fahrt doch an des Reserven gezehrt hatte, an diesem Abend ging es relativ früh ins Bett, ich kann mich jedenfalls noch genau an die Zahl der Schnäpsken erinnert, die mir von irgendwo rechts zugereicht wurden, es waren 4, 5 oder 6 oder so.... ;*)

Der Sonntag begann mit der üblichen Früh-Morgen-Lethargie, und bei manchen half auch die kälteste Dusche und der wärmste Kaffee nicht, die soziale Gruppenstruktur begann sich zu diversifizieren, Helge und Francoise machtens sich schon nach dem Frühstück auf die Socken (verständlich, wenn man Francoise erblickte, die neben sich herlief) ein paar wollten den Tag gemütlich ausklingen lassen, also machte sich der Haupttrupp aus 8 Leuten auf zur Moorwanderung. Erst als mir Matthias 10 € abknöpfte, dämmerte mir, daß es sich um eine fachlich geführte Wanderung handelte, und in der Tat wurden wir von einer jungen Biologin? über 3 Stunden durchs Teufelsmoor geführt, als naturwissenschaftlich vorbelasteter und hochinteressierter Erdenbürger war es für mich nach Helges Tropfkippe und Matthias' Supersuppe DAS Highlight des Wochenende.

Und noch vor Anbruch der Dunkelheit war man zurück, das erste große Paddelevent war abgearbeitet und abgehakt :-)

JOachim